Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 41 (1896-1897)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Die Judenlandtage in Hessen-Cassel
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 516 (sequence 12)
- Language
- German
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I>i- .lilili'iiliuiiltil}'(‘ in 1'n-isnl. 51P» haften wollt.*. Warn! alh* (linse Bedingungen erfüllt, so musste der »lüde mit sinnen sämmtlichen über 14 4ah 1־1־ alten Söhnen einen feierlichen Kid der 'Freue leisten, einen .ludeneid, in dem er u. A. gelohte, keinen weiteren Anhang in das Land zu l)1*ingen, das Land auch nicht eher wieder zu verlassen, als bis er (*inen Abschiedsbrief erhalten habe, d. 11. bis der dritte Tlieil seiner Habe ihm abgenommen worden sei. ikmn endlich ward ihm der Schutzbrief ertlieilt. Wie tief gedemüthigt müssen die .luden jener Tage gewesen sein, wenn sie die Erlangung eines solchen Schutzbriefcs als das grösste Glück für sieh und ihre .Familien betrachteten! — Man bedenke, dass seil »st, wenn sie schon im Lamh* weilen durften, ihre Erwcrbsthatigkeit auf allen Gebieten beschränkt und ihnen kaum die Möglichkeit gelassen war, die Mittel zum Lehen und zur Zahlung der Abgaben zu (1!,schwingen! »Jegliches Handwerk, der Handel mit irgend einem Zunft artikel. mit Metallen, mit TueustoiVen. mit Lumpen, mit Spezeiviwaaren, mit Brot, mit Früchten, jegliebes Hausiren mit Waarmi ausser auf den Jahrmärkten und Messen, war ihnen verboten; Garn und Leder, das sie verkaufen wollten, mussten sie erst dem Zunftmeister anbieten, welcher 24 .Stunden das Vorkaufsrecht hatte, alle Contraete zwischen Juden und (Tristen bedurften der obrigkeitlichen Genehmigung. Her einzige ohne Einschränkung ihnen gestattete Erwerbszweig war der Viehhandel. Lies Alles galt noch am Anfänge dieses Jahrhunderts; erst i. J. ISIS wurde das Schutzgeld aufgehoben. I hiss darum auch heute noch der grösste Tlieil der hessischen .Landjuden dem Viehhandel obliegt, ist ■Angesichts dieser Thatsachen nichts weniger als wunderbar. Während nun die Sehutzbriefe untersucht und die ]amlesherrliche Bestätigung der gewählten Vorsteher abgewartet wurde, wurden dem Landtage das Budget der letzten drei Jahre, die Hauptreehnung, die Talmud-Thora- und die »Jerusalems-Rechnung, die sämmtlieli von den fiirstl. Commissaren abgehört wurden, zur Einsichtnahme vorgelegt; verschiedene Cassabeamte, ein .Haupt- und 14 Untererheber, ein Talmud-Thora- und ein Jerusalem-Rechnungsliihrer ernannt und, falls eine Vaeanz* eingetreten war, ein neuer Lamlrabbiner gewählt. Alsdann wurden — und dies bildet die Lichtseite der ganzen Institution des Landtags — wichtige die Gesammtheit berührende Interessen gemeinsam berathen