Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 41 (1896-1897)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Eine bisher unbekannte dem Bachja Ibn Pakuda zugeeignete Schrift
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 255 (sequence 15)
- Language
- German
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.. I Eine bisher unbekannte dem Baclija Ihn Pakuda ungeeignete Schritt. ^455 Nachdem die Seele das ihr von Gott aufgetragene Werk vollbracht und die Bestimmung erfüllt hat, zu der sie von Gott herniedergesandt wurde, wird sie nicht länger auf Erden zurückgehalten; sie kehrt vielmehr dann zu ihrer Ursprungliehen lleimath zurück1). Wie' bei der Auflösung der aus körperlichen Elementen zusammengesetzten Dinge jeder Bestamltheil zu seinem Element zurückkehrt, so kehrt nach dem Tode auch die Seele zu ihrem Element oder Urgrund zurück. Dass mit der Zerstörung des Körpers nicht auch die Seele untergehtj lehrt unzweifelhaft auch die Schrift, da sic vom Tode immer um• als vom Untergang des Körpers spricht. Aus dieser Anschauung der Schrift erklärt es sich auch, wenn von den Erzvätern und Propheten berichtet wird, dass sie hei ihrem Tode mit ihrem Stamme oder mit ihren Genossen, d. i. mit den Geistern und Engeln wieder vereinigt wurden, mit denen sie ehemals verbunden waren. Die Thora kann doch nicht sagen wollen, dass z. B. Abraham nach seinem Tode mit Teraeh, Naher und anderen Angehörigen seines Familienkreises wieder vereinigt worden sei, denn eine solche Vereinigung seines Leibes mit den Leibern von Götzendienern würde nicht sowohl als ein Lohn denn als eine Strafe zu Im*• trachten sein und hat thatsäehlich ja auch gar nicht stattgefunden, da Abraham in Hebron und Theraeh in Harun bestattet worden ist. Ebensowenig kann bei Mose und Aharon von einer Wiedervereinigung ihrer Leiber mit den Leibern ihrer Stammesangehörigen die Bede sein, da weder auf dein Berge Nebo, wo Mose, noch auf dem Berge Hör, wo Aharon bestattet wurde, einer ihrer Verwandten seine Grabstätte gefunden hatte2). Der Glaube an die Unsterblichkeit der menschliehen Seele darf aber auch als eine dem Bewusstsein aller Völker entspringende Ueberzeugting, oder als eine allgemein verbreitete Ueberlieferuug bezeichnet werden, denn bei allen Völkern herrscht der Brauch, die Gräber zu* besuchen und tür die Todten zu beten, was ohne den Glauben an eine Fortdaueü der Seele sinnlos wäre, weil dann die Gebete weder tür die Todten, noch für die Lebenden irgend einen Zweck hätten*). Auch Vernunftbeweise sprechen für die Wahrheit des Glaubens an die Unsterblichkeit der menschlichen Seele. J) $. 84. ,t 8. 40-41. 8) Dasselbe Argument findet sich auch in der aristotelischen Theologie, S. 8 (Plot. IV, 7. 20).