Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 41 (1896-1897)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Eine bisher unbekannte dem Bachja Ibn Pakuda zugeeignete Schrift
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 254 (sequence 14)
- Language
- German
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'^54 Eine bisher unbekannte dem Ihichja Ihn Pakuda zugeeignete Schrift. Beziehung wie jedem Wesen, das, zur Erde herniedersteigend, .sieh mit dem Irdischen umhüllt und dessen Spuren an sich trägt. So hat sieh selbst die Seheehiiia dem!Mose in irdischcr (Gestalt offenbart; dem israelitischen Volke ist Gott, in einer Wolke erschienen, ־ die, wenn er sich wieder erhob, entschwunden ist. Will man die Seele ihrem wahren Wesen nach erkennen, so muss man die Gewänder und Hüllen, die sie angenommen hat, eine nach der anderem abstreiten, bis sie, von aller Verdunkelung befreit, in ihrer Keinlicit und Lauterkeit dasteht1). Durch ihre Verbindung mit dem Körper ])!isst die Seele, von der Trunkenheit der Sinnlichkeit erfasst, die Erkenntnisse ein, die sie ursprünglich vor der Vereinigung mit dem Körper' besessen hat. Dies geschieht deshalb, da־ mit sie sielt zunächst der Ausbildung des Körpers widme, denn wäre sie nicht vom Kausch der Sinnlichkeit erfasst, so würde sie sich um diese Welt nicht kümmern und der Körper würde unentwickelt bleiben. Durch das Licht der Seele aber erlangt der Mensch die verlorenen Erkenntnisse wieder. Wenn er die Trunkenheit der Sinnlichkeit von sich abthut. zerstreut die vernünftige Seele die Wolken, die ihr die Erkenntnisse verhüllt, und sie erinnert sich wiedt.tr alles dessen, was sie in ihrem früheren Zustande besessen bat‘2). W ozu aber steigt die Seele überhaupt in die irdische Welt hernieder? Weil sie als das aus Gott stammende Licht die Aufgabe hat, die Dinge der Erdenwelt, und besonders die Phauzcn- und die Thierseele, zu läutern und von der ihnen anhaftenden Finsterniss zu befreien3}; durch sie sollen die Seelen zu einer immer höheren Stufe emporgehohen werden, die Piinnzenseele zur Stufe der Thierseele, die Thierseele zur Stufe der Vernunftseele und die \ ernunftseelc zur Stufe der wirkenden Intelligenzen4), Ferner soll die Seele durch die Berührung mit der irdischen Welt, durch die Mühseligkeit und Schmerzen, die sie hienieden zu erdulden hat, sich des Vorzugs der oberen Welt, aus der sie stammt, und der dort herrschenden Seligkeit bewusst werden5). *) S. 76—78. 3) S. 56. vgl. S. 35. 74 — 75. Auch in der Lehre von der *Wiederinnerung folgt unser Verfasser den! Plato. Feber die Stellung Plotins zu dieser Lehre vgl. Guttuiann, Gabirol, S. 258 Anmerk. 4. ״) S. 72. *) S. 79. 5) S. 82 — 83. Dieselben Argumente finden sich auch in der bekaimtlick nur Excerpte aus Plotin enthaltenden Theologie des Aristoteles, S. 77 (Plot. IV, 8. 5); S. 82 (Plot. IV, 8. 7).