Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 41 (1896-1897)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Eine bisher unbekannte dem Bachja Ibn Pakuda zugeeignete Schrift
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 250 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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I ^50 Eiue bisher unbekannte dem Bacbja Ibn Pakuda zugeeignete Schrift. Wesen, wie sie in unserer Schrift aufgestellt wird, nämlich: 1) Wirkende Vernunft, 2) Allseele, 3j Natur, eine Kraft der Allseele, 4) die Materie, die allen körperlichen Dingen zu (4runde liegt, 0) Sphärenkörper, 6) Körper der Gestirne, 7) 8) 9) 10) die vier Elemente1). Auch die Bemerkung, dass die Pflanzen־ und die Thierseele beim Menschen als der Körper, d. h. der Stoff, für die Vernunftseele zu betrachten seien2), entspricht der Anschauung des Neuplatonismus, dass das Untere immer als die Materie für das Obere zu betrachten sei3). Wir wollen nun die in unserer Schrift entwickelten An- Schaffungen dem Leser in einer zusammenfassenden Dar- Stellung vor Augen führen. Zwei Quellen der Erkcmitniss sind dem Menschen von Gott verliehen, die Thora und die Vernunft. Was ihm dir Vernunft versagt, wird ihm durch die Thora erschlossen, und was ihm die Thora versagt, wird ihm durch die Vernunft erschlossen4). Die Thora ist kein Buch, das sich, wie manche behaupten wollten, nur auf die Lehren der Staatsordnung oder auf die Ethik beschränkt; sie will uns auch nicht im Gegen-־ satz zur Vernunfterkenntiuss eine blosse ()ffenbarungslehre darbieteu. Die Thora stellt sieb vielmehr die Aufgabe, den Menschen auch über die verborgensten Geheimnisse der Schöpfung aufzuklären, und will ihm einen Einblick in die Weisheit des Schöpfers gewähren5). Manches freilich wird in der Thora nur im Bild und Gleichniss dargestellt״, wer aber das Bild und Gleichnis» zu deuten weiss, dem werden die darin enthaltenen Wahrheiten mit' voller Klarheit vor die Seele treten6). Die tiefsten und abstraktesten Erkenntnisse, die sieh der menschlichen Vernunft entziehen, werden dein tiefer Forscheiulen durch die Thora erschlossen ~). Die Grösse und Herrlichkeit der Thora ist aber nur derjenige zu J) $.-70—78, Vgl. Dieterici, Die .sogenannte Theologie de« Aristoteles. S. 38; Dieterici, Weltseele, S. 15 fg.; Dieterici, Die Natur auschauung, S. 141. Die gleiche Stufenfolge wurde auch in den pseudoempedokleischen Schriften aufgestellt. Vgl. Schahrastani (Uebersetz, von Haarbrücker) II, S. 91: Guttmann, Philosophie des Gabirol, S. 33 fg. Auf einige andere Entlehnungen aun der aristotel. Theologie kommen wir später zurück. .25 .8 ף 8) Vgl. Dieterici, Weltseele, S. 25. 40. u. a. O. ־») S. 62. ft)S. 8. 21fg. «) S. 8. 7) S. 21.