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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1897-01-01 · Heft 6 · p. Seite 249

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
41 (1896-1897)
Issue
Heft 6
Article
Eine bisher unbekannte dem Bachja Ibn Pakuda zugeeignete Schrift
Date
1897-01-01
Page
Seite 249 (sequence 9)
Language
German
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9 Eine bisher unbekannte dem Bachja Ihn Pakuda zugeeignete Schrift. ^449 bandelt sicli um die Lehre, dass Vernunft und Erkenntuiss beim Menschen erst im Zustand seiner vollendeten Entwichelung zu Tage treten1). Dem (»ednnkenkreis des Kalam gehört auch die in unserer Schrift erwähnte und, wie es scheint, vom Verfasser getheilte Ansicht an, dass die den Tugenden der menschlichen Seele entsprechenden Gegensätze nicht als blosse Privationen, sondern als wirklich existirende Eigenschäften zu betrachten seien, denn Gott habe die Dinge und ihre Gegensätze ge sch .affen, damit jene durch diese zur Erkeuntuiss des Menschen gelangen2). Fügen wir noch Einiges über den philosophischen Standpunkt unserer Schrift hinzu. In den ethischen Grundanschauungeii stimmt sie vollkommen mit der Lehre dos Plato überein. Es werden vier Cardinaltugeiideii angenommen: die Weisheit, der Muth, die Keuschheit oder die Selbstbeherrschung und die Gerechtigkeit. Die Weisheit wird auf die Vernunftseele, der Muth auf die Thierseele und die Keuschheit oder die Selbstbeherrschung auf die Pflanzenseele zurückgeführt Aus der gleichntässigen Zusammenstimmuiig dieser drei Tugenden entsteht als höchste Tugend die Gerechtigkeit, die denjenigen, der sie besitzt, geeignet macht, der Führer einer Gemeinschaft zu werden3). Auf die Abhängigkeit von Saadia’s Jezirakomnientar in der Lehre von der Schöpfung und in einigen anderen Punkten haben wir bereits hingewiesen. Nicht unwesentlich ist auch der Einfluss, den der neUplato* nische Litteraturkreis, wie die sogenannte aristotelische Theologie, die Eucyclopädie der lauteren Brüder u. A., auf die in unserer Schrift vorgetragenen Anschauungen׳‘ausgeübt hat. Was liier über den Einfluss der Gestirne auf die Entwicklung des Embryo und über die Vereinigung der verschiedenen Seelenkräfte mit dem leiblichen Organismus des Menschen gelehrt wird4), bietet so viele Berührungspunkte mit den A11scliauungen der lauteren Brüder dar 5), dass sieh die Annahme ״ eines Abhängigkeitsverhältnisses kaum, wird abweiseii lassen. Noch durchschlagender ist die Uehereinstimmung mit der sogenanuten aristotelischen Theologie in der Stufenreilic der ג) S. 26. 3) S. 7. Vgl. Maimonides, More I. cap. 73 (Murik, Guide I, pag. 395—398). 8י S. 7. 44 fg. Vgl. Zeller, Philosophie der Griechen. II* S. 566 fg. *) S. 50— 59, b) Vgl. Dieterici, Die Anthropologie der Araber im zehnten Jahrhundert, S. 64—95.

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