Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 41 (1896-1897)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Eine bisher unbekannte dem Bachja Ibn Pakuda zugeeignete Schrift
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 243 (sequence 3)
- Language
- German
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Eine bisher unbekannte dem Bachjn Ibu Pakuda zugeeignete Schrift. 243 trautheit mit dem Litteraturgebict, dem unsere Schrift angehört, und so hat er nicht einmal das Problem erfasst, um das es sich in diesem Falle handelt. Treten wir nun selber der Frage naher. In d<‘1* Pariser Handschrift wird im unmittelbaren Anschluss an den Titel unserer Schrift Bachja Ihn Pakuda als deren Verfasser bezeichnet. Das ist eine positive Angabe, bei der wir uns in Ermangelung eines anderweitigen Zeugnisses allen falls beruhigen könnten, wenn sie durch innere Gründe einigermassen unterstützt würde, oder wenn wenigstens der Inhalt der Schrift mit ihr nicht iin Widerspruch stünde. Wie verhält es sieh nun in dieser Beziehung mit unserer Schrift? Von einer Bestätigung der Autorschaft Bachja’s durch inner(1 Gründe kann absolut nicht die Rede sein. Wer die Darstellung in unserer Schrift mit der in den ״llerzenspflichtcn“ vergleicht, der muss den Eindruck gewinnen, dass wir es hier mit zwei schritt״ stellerischen Erzeugnissen von durchaus verschiedenem Üharakter zu tliuu haben. Der wohlgeglioderten, systematischen Darstellung in den ״,Herzenspflichten” stellt in unserer Schrift eine fast an das Tumultuarische grenzende Planlosigkeit gegenüber, die sich in den zahlreichen, von dem Verfasser seihst bemerkten, aber nur schlecht gerechtfertigten Wiederholungen1) noch besonders störend geltend macht. Nirgendwo zeigt sieh in unserer Schrift auch nur eine Spur von der tiefen Innerlichkeit, welche die ״Hcrzensptiiehten“ auszeichnet; auch an denjenigen Stellen, wo von den eigentlich religiösen oder ethischen Fragen gehandelt wird, erlicht sich die Dar״ Stellung niemals zu dem poetischen Schwung, dm• Wärme und Ergriffenheit, weiche die ״llerzenspHichten^ zu einem so vielgelesenen Erbauungshuch gemacht haben. Die Unbeholfcnlieit in der Darstellung Hesse sich noch allenfalls erklären, wenn wir unsere Schrift als einen ersten schriftstellerischen Versuch des Verfassers anschen dürften. Das ist aber nicht der Fall. Mindestens zwei andere Schriften sind ihr vorausgegaugen: 1) eine an den Psalmvers ברבי נפשי אה ר' (Ps. 103, 1) anknüpfende Seeleulohre in poetischer Form2) und 2) eine kosmologiseh-metnphysische Schrift unter dem Titel: 3ספר הסיר וההערכה ביצירה). In der ersten Schrift hatte der Verfasser eine Darstellung der Seelenlehre gegeben, l) S. 3. ף S. 1—2. ל S. 28. 74. 89 16*