Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1896-01-01 · Heft 2 · p. Seite 95

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
41 (1896-1897)
Issue
Heft 2
Article
[Rezension]
Date
1896-01-01
Page
Seite 95 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2829132-2829696-2829699-2880250--27534-2880306
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Besprechungen. 95 knüpft hatte. Beweis dafür wäre gerade das von Herrn Friedmann aus dem Siphra angeführte לעבדם. Denn die Erklärung p. 23, dass der Irrthum durch die Schuld des Abschreibers des dem SiphTa vorgelegenen Thoratoxtes veranlasst worden sei, genügt nicht, da auch dann noch jedenfalls erwiesen wäre, dass unter den in der Meehilta angeführten und dem Siphra sicherlich auch bekannten alexandrinischen Veränderungen der Passus לעבדם gefehlt haben musste. Der Erklärungsversuch Fried mann8’׳ zur Lösung des Widerspruchs der beiden nebeneinander stehenden Delationen der Boraitha in ■ Megilla und Tractat Saphrim, wo zuerst von fünf Uebersetzcrn des Pentateuchs und dann von 72 Schreibern derselben die Kede ist, ist geistreich und bestechend, wenn er sagt, dass Ptolemäus fünf Gelehrte mit der Uebersctzung ins Griechische, dagegen zweiundsiebzig mit der Abschrift des hebräischen Urtextes betraut habe. (S. 2.) Die Lösung leidet aber an dem Fehler ihrer Undankbarkeit. Wenn fünf Gelehrte für die Uebersetzung genügten, warum sollten sie nicht auch für die corrccte Abschrift eines eini&chen Pentateuchtextes genügen, wenn Ptolemäus auch einen solchen für seine Bibliothek gewünscht hätte. Hebräische Pentateuchtexte waren doch in jener Zeit nicht so schwer zu Laben. Einen solchen hätte er sich voti Jerusalem durch den Hohenpriester besorgen lassen, er hätte sich auch mehrere Texte zur Vergleichung anschaüen können. Alles einfacher und natürlicher als der complicirte Apparat einer Einberufung von 72 Gelehrten und ihrer lsolirung in besonderen Zellen. Und wie sollen die 72 gearbeitet haben? Aus dem Gedächtniss konnten sio doch die Abschrift nicht machen, und war eine Vorlage gegeben, wozu erst eine Abschrift davon? Man sieht, wie bei dieser unnatürlichen Annahme die Fragen sich thurmhoch über einander wälzen. Es kann also auch in dem zweiten Berichte, in dem wir jedenfalls einen Nachhall des Aristeasbriefes erkennen müssen, nur an eine griechische Version gedacht worden sein, l'ie Boraitha meinte ollen bar, dass zwei griechische Versionen zur Zeit des Ptolemäus vorgenommen wurden, die erste von fünf Gelehrten, die aber Widerspruch gefunden und als ungenügend erkannt wurde (שלא היתד, התורה יבולה לד,תרגם כל צורכה), und eine zweite, die deshalb, durch 72 Gelehrte und mit besonderen Cautelon veranlasst wurde. Diese haben nun durch den wunderbaren Beistand Gottes das Richtige, übereinstimmend gefunden. Es liegt daher in diesem Berichte kein Schimmer von Animosität gegen die Septuaginta, weshalb auch thatsächlich R, Juda aus diesem Präcedens das Erlaubtsoin der griechischen Uebersetzung deduciren konnte. Andere talmudische Relationen haben nicht dieselbe freundliche Stellung zur Septuaginta. Das Urtheil über den V erth der Septuaginta war in den späteren palästinensischen Kreisen ebenso schwankend und widerspruchsvoll, ־wie es die Traditionen, über dio Entstehung derselben waren. Aus dem Gewirre sagenhafter Traditionen, von denen auch Herr Friedmann (p.. 25) sagt, dass sie apodiktischen wissenschaftlichen .Werth nie besitzen, den historischen Kern herauszubnden, ist die schwierige Aufgabe dos Historikers. Denn darin ist Herrn F rieamann beizustimmen, dass bei diesen Traditionen von Schwindel und Retrug weder von vornherein nocli überhaupt die Rede sein kann. Aber iraaitionen haben nicht bloss dreierlei Ursprünge, wie F. (p. 25) sagt, sondern es giebfc noch eine andere Art der Tradition, die durch deu Fiinuuss des Bodens und durch Sonnenschein, Wind und Wetter wie ein!Äfu411111 mit breiten Aesten und Zweigen, mit Blättern, Blüthen en aUS e*nem einzigen Keim als Sage naturgemäss hervor-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.