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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1896-01-01 · Heft 2 · p. Seite 91

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
41 (1896-1897)
Issue
Heft 2
Article
[Rezension]
Date
1896-01-01
Page
Seite 91 (sequence 3)
Language
German
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Besprechungen. 5)1 ,Schlagwörtor hätten die Verwirrung und Verbitterung nicht tosthalten und verschärfen können, welche die gebildeten Klassen, und Vorzugsweise natürlich diejenigen, welche au dem Kampfe um die Aemter« Privilegien betheiligt sind, dermalen beherrscht. Die Selbstgöreehtig״ keit hätte nicht s«» vorlaut werden können, bis sie am cigonon Krach elend enden muss. Und das Racengeinhl hütto niemals boi einem gerade in Stammest ragen so edlen Volke diese hlutigo Natur annohmen können, bei der die Narben fast schädlicher sind als die Wunden. Der Glaubonseifer aber hat den Kacentrieb zu einem nationalen dmpuls gcheiligt. Und in Verquickung mit der religiösen Befangenheit wird das gesunde Princip der Nationalität zu einem unsittlichen, denn ihr gegen- •über wird die Menschheit zum Störenfried, zu einem mittelalterlichen Universale, und die Nächstenliebe wird, was sie in der Weltgeschichte von jeher war, ein litterarisc.hcs Prachtstück, glänzend genug, um als ebenso plumpes wie durchschlagendes Losungswort bei der Predigt dos Nächstenhasses brauchbar zu bleiben. Dean wenn der alte Bund keine Nächstenliebe bat, so fehlt der Religion des Judenthums der Grundzug der .Sittlichkeit; denn wenn sie es im alten Testament nicht haben, so haben sie es im Talmud gewiss orst, reiht nicht. Und wer kennt, wer woiss überhaupt von der religiösen Fortentwicklung, die das Judenthum in diesen neunzehnhundert Jahren vollzogen hat in seiner religionsphilosophischen Litteratur! Diejenigen, welche das neue Testament wissenschaftlich erklären, kennen die ze tgenössische talmudischo Litteratur nicht, aus der es zum Theil hervorgegangen, und ohne die auch die hcllenistischen Quellen nicht genügend verständlich werden. Die praktische (Konsequenz dieser religiösen Ungerechtigkeit gegen das alte Testament liegt auf der Hand: Menschen und Mitbürger, welche trotz der Theilnähme am Lickte der nationalen. Cultur einem Glauben treu bleiben, dem das Grundgesetz der Nächstenliebe fehlt, können nicht als Gläubige geachtet werden, sondern nur als eigensinnige Don Quixotes, welche die Eigenliebe des Stammes pliegen und somit der nationalen Gesummtheit fremd bleiben wollen. Und die Ueberläufer, die man ebenfalls auf dem Gewissen hat, bestärken in dieser Verdächtigung. Solche rudimentären Sonderlinge verdienen keinen politischen Schutz, und man bogeht daher keine Gewaltthat und keinen Betrug an ihnen, wenn man . die ihnen in der Verfassung gewährleisteten gleichen Kochte auf dein Verwaltungswege ihnen wieder raubt. Diese symptomatische Bedeutung im modornen ölVentlichen Kechtsleben hat jene religiös-nationale Episode. Wenn aber nach dem souveränen Takt der Ankläger der Schreiber dieses als nicht befugt erachtet werden sollte, diese für die öffentliche wie die theoretische Sittlichkeit markante Zeiterseheinung in diesom Nachtrag zu kennzeichnen, so darf ich mich gerade hier auf den Autor beruten,'de38en Innigkeit und .Gesundheit, dessen Kraft, und Muth gerade lür diese Nothlage am schmerzlichsten zu vermissen ist. Er würde nach seiner deutschen Art und soiner christlichen Koligiosität gemahnt haben: der Antisemitismus ist unser Unglück.“ (S. LXIII—IX). Wenn wir auch nicht mit dem Verfasser in dom Glauben an die Macht des Guten den Inhalt der Religion für erschöpft halten können, so theilen wir doch diesen Glauben und stimmen aus voller Seele den Worten zu, mit denen er das Vorwort soiner Abhandlung beschliesst: ,,Aber auch das Zutrauen 8011 dieser Versuch bezeugen, dass man sich vor den Mächten der Finsterniss nicht zu fürchten hat, die heutzutage auf allen Gebieten unserer vaterländischen Cultur den Ruhm des deutsehen Namens verunebren, die deutsche Idealwelt fürchten, hassen und

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