Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 41 (1896-1897)
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1896-01-01
- Page
- Seite 92 (sequence 4)
- Language
- German
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92 Besprechungen. verfolgen. Die Zeichen mehren sich, dass die Gespenster wieder verscheucht, werden, die man in einem verdrehten, verirrten nationalen Historismus als heimische Hausgeister anerkannt und geduldet hat. Wenn jene falschen, tückischen, dos Gemüth und den Geist des Volkes schwächenden Leidenschaften in Kirche, Staat und Gesellschaft wieder gebändigt sein werden, dann wird der Genius des deutschen Volkes, die Liebe zur Philosophie, zur echten, mit Wissenschaft und Kunst verbundenen wieder erwachen, und in alle Wege die deutsche Kultur* arbeit leiten.“ (S. XVI). Breslau. I)r. Guttmann. Fr&edmnmi Lector 31. Onkelos und Akylas. III. Jahresbericht der israelitisch-theologischen Lehranstalt in Wien fiir das Schuljahr 1895/%. Herr 31, Friedmann ist uns durch seine kritischen Ausgaben der Mechilta, .Sifre und der Pesiktu, seinen lichtvollen Commentar zu denselben sowie durch seine geistvollen Abhandlungen in dem leider zu friili selig entschlafenen Beth-Talmud rühmlichst bekannt. Originalität, .Scharfblick und ein Lnabhängigkeitssinn, der sich oft bis zu einer souveränen Geringschätzung der Meinung anderer Gelohrton und einer völligen Nichtbeachtung der neueren Litteratur steigert־, sind charakteristische Eigentümlichkeiten dieses Gelehrten in seinen bishörigen in hebräischer Sprache erschienenen Arbeiten. Diese bilden auch die Vorzüge und Schwächen seiner neuesten, in deutscher Sprache veröffentlichten grösseren Abhandlung über ״Onkelos und Akylas“. Schon dieser Titel und die Stellung der Namen in demselben kündet uns, dass Herr Fried man 11 in der Ünkelosfrage eich in einen schroffen Gegensatz zur wissenschaftlichen Auffassung der gesammten Targumlitteratur unserer Zeit zu stellen, die Absicht hat. Und was der Titel verspricht, das hält das Bach. Während man jetzt allgemein Onkelos und das diesen Namen tragende Targum als in einem secundären und abhängigen Verhältnis zu Akylas und seiner griechischen Uebersetzung stehend annimmt, dreht Friedmann den .Spiess um, indem er .zu der alten von De Kossi verfochtenen Meinung wieder zurückkehrt. Ihm sind Onkelos und Akylas zwei verschiedene wirklich historische Persönlichkeiten, und Onkelos und sein Targum die primären Erscheinungen, auf welche Akylas und 8eine griechische Uebersetzung später folgten. Onkelos lebte zur Zeit Gamliel’8 L, Akylas zur Zeit des Elieser und •Tosua. Wir halten es entschieden für ein Verdienst des gelehrten Verfassers, dass er die kritische Sonde noch einmal an die mit apodiktischer Gewissheit kaum zu lösei.de Frage legt, obgleich wir auch seinen Ergebnissen und Be־ hauptungen mit der geziemenden Skepsis gegenüberstehen. Onkelos und Akylas haben aber Beide nach F. ihre Uebersetzungen ursprünglich nicht für die Synagoge und vorgeschriebene Thoraverlesung, sondern für die Schule zu didaktischen Zwecken verfasst, und zwar zur Verbreitung der Kenntniss des Hebräischen (p. 49 ff. u. a. 0.). Onkelos״ Uebersetzung wurde später in der ״tanai tischen Epoche, vielleicht unter dem Patriarchat E. Gamliel II“ als synagogales Targum recipirt (p. 4). Ob aber auch Akylas״ griechische Uebersetzung je in der Synagoge zum Gebrauche kam, darüber spricht sich F. nicht deutlich aus. Es scheint aber, als ob dies seine Meinung wäre (p. 49, 50). Von der Septuaginta hingegen nimmt F. mit Bestimmtheit an, dass sie in Alexandrien, ausser im Anfänge, später nicht mehr zur Verlesung