Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 41 (1896-1897)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Das apokryphische Esrabuch
- Date
- 1896-01-01
- Page
- Seite 65 (sequence 17)
- Language
- German
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Das apokryphische Esrabuoh. 65 Da nun nicht an zu nehme!ו ist, dass Josephus willkürlich neue Völkerschaften als Besitzor judäischeu Lamlos hinzu־ gefügt, die Beitrage des Königs zum Tempelhau mit A!)Sicht geändert und die Freude der heimkehrenden Juden nach eigener Phantasie mit Uebergehung seiner Vorlage geschildert habe, so muss er in den berührten Theilen der Erzählung einen von der uns im III. Ksra vorliegenden verschiedenen Wortlaut vor sieh gehabt haben. Da andererseits aber, die genau übereinstimmende Abfolge der einzelnen Sätze in der ganzen Pagengeschichte für die nahe Verwandtschaft, ja für die Identität beider Berichte spricht, so ist nur die Möglichkeit vorhanden, dass beide aus einer gemeinsamen Vorlage schöpften, deren Umfang grösser, als der der Erzählung im III. Ksra war, und die auch die abweichenden Einzelheiten bei Jusophus und Josippon enthielt1). Da es aber auch bei gleicher Vorlage nicht erklärlich ist, wie Josephus fast durchgehends für den Verhältnisse bezüglichen Einzelheiten, als auch den Stoff zu seinen Schilderungen entlehnt hat. Ich will nur beiläufig bemerken, — die Begründung und Ausführung hier unterlassend, .— dass Xenophon in der Cyropaed. I, 3, 10 Cyrus dem Astyages den Wein als Gift folgendermassen schildern lässt: ,,Ich sah, beim Zeus, wie ihr sowohl in euerer Besinnung, als mit euerem Körper wanktet. Denn erstlich, was ihr uns, die wir Knaben sind, nicht thun lasset, das thatot ihr selbst. Donn allesammt schrieet ihr zugleich und verstandet Einer den Anderen nicht im Geringsten, auch sänget ihr gar lächerlich, und ohne auf den Singenden zu hören, schwüret ihr, dass er vortrefflich singe; auch rühmte Jeder von euch seine Stärke, dann aber, wenn ihr aufgestanden wäret, um zu tanzen, vermochtet ihr nicht nur nicht im Tacte, sondern nicht einmal aufrecht zu stehen. Ihr hattet ganz und gar vergessen, du, dass du der König, und die Anderen, dass du der Herrscher bist.“ Man vergleiche hiermit die Schilderung der Macht des Weines im IJI. Ksra, besonders aber mit dem Wortlaute bei Josippon p. 10 c: וכאשר ישתה היין ימשל בו ויטה לבו אל דברים אחרים לרנן ולזמר ולרקד ואף להסתכל כי נהפך לבו ליין להרחיק קרובים •לקרב רחוקים, was im griechischen Texte fehlt. Auch sei auf Cyropaed. II, 2, 1 hingewiesen, wo Cyrus eine Gosollschaft zu sich einlädt und dafür sorgt, dass sowohl unterhaltende, als auch zum Guten anfeuernde Gespräche vorgebracht werden und so einmal auf die Frage kam: ״Scheinen euch wohl, ihr Männer, die neuen Kampfgefährten irgendwie geringer, als wir?“ Die Freude schildert Cyropaed; IV, 5, 7 mit den Worten: ״Die Meder tranken und schmausten und!löteten und waren Alle guter Dinge;“ auch die Macht der Schönheit der Frauen beschreibt Cyropaed. VI, 1, 12—16, wie auch noch andere Berührungspunkte zwischen Xenophons Roman und unserer Erzählung sich finden. D Josippon hat von dem in III. Esra 4, 58—5, 6, Josephus von dem in 5, 1—6 Erzählten Nichts, was die oben ausgesprochene Vermuthung, dass der zu dem eigentlichen Wettstreite hinzugetreten© Theil in verschiedenen Bearbeitungen vorhanden war, bestätigt. Monatsschrift. 41. Jahrgang.