Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 41 (1896-1897)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Das apokryphische Esrabuch
- Date
- 1896-01-01
- Page
- Seite 59 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829696-2829699-2880246--27492-2880270- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Das apokryphischo Esrabuch. 59 genaue Uebereinstimmung im 2. mul 5. Capitol dos ILI. Ksra vorherrscht und dieselben Abschnitte vom kanonischen Esra ubwöichen, dagogon die Verschiedenheit gerade im Berichte über den Pagen Wettstreit sieh zeigt, der doch in erster Reihe geeignet wäre, die Entlehnung bei Josephus zu beweisen. Nicht nur, dass 11X. Ksra viel ausführlicher ist und genauer beschreibt, — was ja nur zeigen würde, dass Josephus ausgezogen und gekürzt hat, — sondern manche Züge der Schilderung gleicher Thatsachen weichen völlig von einander ab. So ist es sogleich am Anfänge der Erzählung bei Josephus der König, der, um sich die Zeit der Schlaflosigkeit zu verkürzen, sicli mit seinen Leibwächtern in ein Gespräch einlässt und sie im Laufe desselben auffordert, auf dio von ihm gestellten Prägen zu antworten, während nach dem III. Ksra die Jünglinge selbst einander bestimmen, dasjenige zu nennen, was das Mächtigste auf Erden ist. Doch mag hier Josephus absichtlich geändert haben, weil es ihm unglaublich erschien, dass die Leibwächter dio Belohnung, die sie für die Lösung des Räthscls vom Könige erwarten, selber verschreiben. Dagegen kann es kaum als Verbesserung angesehen werden, dass bei ihm dio Frage des Königs lautet, ob der Wein, der König und die Frau mächtig ist, und die Jünglinge nur zu wählen oder ihre Wahl zu begründen haben, während nach Esra dio Antwort auf die Frage, was das mächtigste sei, zu ertheilen ist, die Leibwächter die Lösung auf eine Rolle schreiben, dieselbe versiegeln und mit dem Bemorken unter das Kopfkissen dos Königs legen, dass dieser im Vereine mit seinen Rüthen über die Antworten ein Urtheil fälle.1) Was nun die Ausführungen der drei Redner betrifft, so sind sie zwar dom Inhalt und dem Godankengange nach in beiden Darstellungen unstreitig überoinstimmend, doch vergleicht man auch nur einen Satz aus beiden, so wird man in der Annahme der Entleimung bald schwankend. Denn jede Zeile im III. Esra hat zwar eine ihr entsprechende bei Josephus, und auch die Abfolge der j) Joaippon stimmt nicht, wie man es erwarton würde, mit Josephus überein, sondern mit dem III. Esrabucho, was dafür spricht, dass or nicht aus Josephus schöpfte; or fügt aber noch hinzu: die Jünglinge einigten sich in den — daselbst ausführlich beschriebenen — Bedingungen, setzen sie nach medisch-persischem Hechte unabänderlich fest, Hessen Feder und Rolle bringen, loosten, wer beginnen solle, ׳ und schrieben. Man kann diese Einzelheiten nicht als dio frei erdichtete Zuthat eines Bearbeiters ansehen und die kürzere Fassung deß III. Esra als die Vor» läge annehmen, da derartige Realien kaum hinzugetreten sein dürften. Siehe auch die folgernde Note.