Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 40 (1895-1896)
- Issue
- Heft 12 (September 1896)
- Article
- Geschichte und Annalen der Dyhernfurther Druckerei
- Date
- 1896-09-01
- Page
- Seite 572 (sequence 13)
- Language
- German
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572 Geschichte und Annalen der Dyhernfurther Druckerei. Aber auch jetzt, nachdem E. Schabtai sich gänzlich aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen hatte, ־war das Maass seiner Leiden noch nicht voll. Plötzlich, im Frühjahr 1712, wurde er verhaftet unter der Beschuldigung, ״Schmachreden wider die göttliche und weltliche Majestät“ verbreitet zu haben1). Das gleiche Schicksal traf seinen Sohn in Dyhernfurth. Zugleich wurden die Büchervorräthe, die Beide, E. Schabtai in der Fechtschule in Breslau und sein Sohn in der Druckerei in Dyhernfurth, besassen, mit Beschlag belegt. ”Wieder war der Denuneiant ein Jesuit, dieses Mal der Pater Franz Kolb, der an der Prager Universität Hebräisch lehrte'2). Der Stein des Anstosses war für ihn das oft gedruckte, in Dyhernfurth zuletzt 1705 aufgelegte harmlose Andachtsbüchlein Schaare Zion, welches Nathan Hannover für seine durch die entsetzliehe Noth der Zeit tief gebeugten Glaubensbrüder zusammengestellt hatte, indem er für seine Gebetsformeln bald alte Muster aus der mystisch-asketischen Litteratur zum Yorbild nahm, bald selbstständig neue Fassungen Vorschlag. Besonders verdächtig erschien dem Pater z. B. ein langes Sündenbehenntniss in der Form einer endlosen alphabetischen Litanei3). Nach der Anweisung des frommen Babbi sollte sich hier der bussfertige’ Sünder in übertriebener Selb st Zerknirschung der entsetzlichsten Laster, 11. A. auch der widernatürlichsten geschlechtliclien Verirrungen, mit welchen nach der Meinung der Mystiker die Erzeugung von Dämonen in untrennbarem Zusammenhänge stand, bezichtigen. Gerade der Passus, der von diesen unappetitlichen Dingen handelt, wurde von dem gelehrten Jesuiten gräulich missverstanden4). Die Worte, die daselbst das Nachtgespenst Lilith5) umschreiben, glaubte de ätschen Christen besser übeieinkam, als keiner von allen enropäischen Juden“. (Schles. Prov.-BL, neue Eolge, II, S. 266). Auch den Prof. Dan. Springer besuchte er hei seiner Anwesenheit in Breslau. Er starb 1710 in dem Städtchen Myr in Litthauen (IST. Biichers. XXIV, 843).!) Das gesammte Actemnaterial über diesen Zwischenfall ist in Ludwig Oelsners vortrefflicher Abhandlung: ״R. Sabbathai Bassista und sein Process“ Leipzig 1858, 8) erschöpfend benutzt. Der Tag der Verhaftung war der 13. April (a. a. 0., S. 17). 2) Das. S. 16. 3) Das. S. 23, Nr. 17. S. 30f. 4) Es lautet im Urtext sehr decent: המים היוצאים מבית ה׳ הולבתים מבית המלכות לבית הכסא ומל!רם הפצובת אשת הומה . . . הגברתי החיצונים » ♦ 5) Aus אשת הומה buchstabirte der Jesuit das Unwort הדמה heraus, das er frischweg als ,,idunüiisches Weib“ übersetzte und ohne Weiteres mit der ״römisch-katholischen Kirche“ identificirte.