Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 40 (1895-1896)
- Issue
- Heft 12 (September 1896)
- Article
- Die Chronik des Achimaaz von oria (850-1054)
- Date
- 1896-09-01
- Page
- Seite 537 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2829132-2829682-2829695-2880188--27373-2880206- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Die Chronik des Achim aaz von Oria. 537 und Ohrenbläserei wie zum Trotze gab der Chalif immer neue Zeugnisse seiner Gunst und Zuneigung gegen den Liebling seines Vaters. Um aber den Versuchen zur Verdächtigung und Herabsetzung Paltiel’s ein für allemal den Boden zu entziehen, sann Alaziz auf eine Auszeichnung, die den Feinden seines Astrologen endlich die Augen öffnen musste. Er zog Pa-ltiel in’s Vertrauen und hiess ihn heimlich mit den Seinen die Stadt verlassen. Kaum hatte Paltiel sein Landgut in der Nähe aufgesucht, als der Chalif nach seinem Lieblinge verlaugte. Da ihm bedeutet wurde, Paltiel sei nach dem ihm von Alaziz geschenkten Landsitze zur Villeggiatur aufgebrochen, Hess er rasch entschlossen seinen ganzen Hofstaat zusammenberufen, der im Verein mit ihn! selber seinem treuen Diener die Ueberraschung und Auszeichnung eines Besuches in dessen Wohnung bereiten sollte1). Angesichts all der stillen Neider und Verleumder umarmte der König den erstaunt des hohen Gastes ansichtig werdenden Paltiel, den scheinbar Niemand von dem Besuche vorher hatte unterrichten dürfen. Vom Morgen bis zum Abend währte der festliche Besuch, der die Innigkeit des Verhältnisses zwischen Alaziz und Paltiel sprechender als jede Auszeichnung vor aller Welt zum Ausdruck brachte. Wie sein Vater Almuizz scheint auch Alaziz in Sternenbellen Nächten mit seinem Hofastrologen öfters fragend zum Himmel emporgeblickt zu haben. Aber es sollte ihm nicht lange vergönnt sein, der Dienste des Mannes, dem er mit so viel Wämre sich angeschlossen hatte, sich zu erfreuen. Als sic einst Beide wieder den Sternenhimmel beobachteten, wurden sie Beide von derselben Erscheinung wundersam getroffen. Zu gleicher Zeit erloschen drei Sterne, die eben noch in helLein Scheine herabgeleuchtet hatten. Drei Könige, die in diesem Jahre sterben werden, bedeuten die Sterne, so begann Paltiel die Himmelserscheinung auszulegen; der König von Byzanz ist der Erste, der König von Bagdad der Zweite. Du, König von Teman‘2), fiel Alaziz ergänzend ihm in die Rede, der Dritte. Ich kann es nicht sein, erwiderte zwar Paltiel, da ich ein Jude hin, der dritte König ist der von Spanien, aber Alaziz blieb dabei, dass der erloschene Stern den Tod seines Lieblings verkünde. 1) P. 129, z. 16: ונקביל פר פיילוטופום רוקן המשרת לפדי ist eine musivische Anwendung von Derech Erez V. Vgl. N. Brüll, Jahrbücher? 2) P. 130, Z. 2 מלך תימד heisst Paltiel hier vielleicht mit Rücksicht auf seine Weisheit. Vgl. Obadja 8 und 9.