Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 40 (1895-1896)
- Issue
- Heft 11 (August 1896)
- Article
- Die Chronik des Achimaaz von Oria (850-1054)
- Date
- 1896-08-01
- Page
- Seite 507 (sequence 12)
- Language
- German
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Die Chronik des Achimaaz von Oria. 507 Joseph-ha-Cohen f) als eine zeitlich nicht zu bestimmende Persönlichkeit, und selbst für Zunz * 2) noch als an den Schluss des elften Jahrhunderts gehörig galt, seinem Heimatlande und seiner wahren Lebenszeit wiedergeben können. Der Fortsetzer und Sohn R. Schefatja’s, der Erbe seines Ruhmes und Lehrhausesj gehört an die Wende des neunten Jahrhunderts nach Oria. Ist auch aus seinem Leben nichts geschichtlich Denkwürdiges wie aus dem seines Yaters zu berichten gewesen, so war er doch an litterarischein Nachruhm ihn! mindestens ebenbürtig. Wie wir ihn neben dem synagogalen G-ebete auch das Gelegenheitsgedicht wie in dem Hochzeitsliede zu Büren seiner Schwester Cassia haben pflegen sehen, so zeigt ihn uns eine andere Ueberlieferung als Urheber yoii Elegieen, von Trauerklagen über Hingeschiedene. An die öffentliche Recitirung solch einer Elegie vor der versammelten Gemeinde knüpft sich ein Vorfall, der die Ursache eines schweren Zerwürfnisses zwischen R. Amitthai und einem Lehrer in Oria, Namens Mose, geworden ist. Als einst Amitthai auf seinem Landgute, einer Vigna bei Oria, weilte, erhielt er die Aufforderung der Gemeinde, dem Leichenbegängnisse eines in der Stadt verstorbenen gelehrten und frommen Mannes, des Bruders dieses Mose, sich anzuschliessen. Amitthai liess dem Vorstände sagen, dass er den Leichenzug vor der Stadt erwarten würde. Er hatte sich auch auf die Todtenklage um den armen, aber würdigen Mann vorbereitet und recitirte das Klagelied 3)5 das er ihm zu Ehren gedichtet, am Sarge des Dahingeschiedenen. Der Lehrer der Gemeinde, der leidtragende Bruder, vergass sich nun angesichts der Versammelten so weit, dass er einen Vers der Elegie mit lauter Stimme berichtigte oder veränderte 4)• Amitthai, dem die Denkweise und Führung des Mannes auch sonst Bedenken erregt haben mochte, fand Gelegenheit, das ungebührliche Benehmen Mose’s zu ahnden. Als er später einmal die Sittsamkeit einer Ehefrau auf seine alleinige Zeugenschaft hin verdächtigen wollte, befahl Amitthai 1) Emek habacha, ab. von M. Wiener, p. 6; vgl. Zunz a. a. 0. 627. 2) Synagogale Poesie, p. 185 f., Literaturgeschichte, p. 166 f. 3) Das für ans verlorene Gedicht, das wahrscheinlich, akrostislichisch אמתי gezeichnet war, begann nach p. 124, Z. 29: אי אבסניא איי גלות 4 מי לא יכירך יעשה ממך הוללות י ומי יכירך יקונן ביללות. 4) Die ■Veränderung hatte nach p. 125, Z. 1 den folgenden Wortlaut: מ‘ יכירך וידעך המולים בי*םורימ. Batte dies etwa eine Anspielung auf die durch den Verstorbenen in den Bund Abraham’s aufgenommenen Kinder sein sollen? Vgl. Jes. 28, 9.