Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 40 (1895-1896)
- Issue
- Heft 11 (August 1896)
- Article
- Die Chronik des Achimaaz von Oria (850-1054)
- Date
- 1896-08-01
- Page
- Seite 503 (sequence 8)
- Language
- German
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Die Chronik des Achimaaz von Oria. 503 That ergab sicli bei der Eröffnung des frischen Grabhügels, dass nicht der Knabe, sondern ein — Besen darin ruhte. Das Kind aber, das Schefatja gerettet und in seinem eigenen Hause verwahrt hatte, ward wohlbehalten den beglückten Eltern zurückgegeben. Was aller Welt in Schefatja’s Nähe zum Segen gereichte, die (Jnvergleichlichkeit und Ausserordentlic-hkeit des Mannes, das hätte, wie Achimaaz berichtet, seinem eigenen Kinde zum Schaden gereichen können. Denn die Gattin Schefatja’s wies jeden Freier, der um die Hand ihrer Tochter Cassia anhielt, da sie ihn an dem unerreichbaren Vorbilde ihres Gemahls mass, einfach zurück D• Betroffen von dem Anblick des zum blühenden Mädchen herangereiften Kindes, das eines Morgens, als es vor der Frühandacht mit liebevollen Handreichungen ihm aufwartete, in seiner leichten Hülle vor ihm erschien, entschloss Schefatja sich rasch, dem Säumen und Zögern seiner Gattin ein Ende zu machen und die Tochter zu verheirathen. Flugs verständigt er beim Morgengottesdienst seinen Bruder Chananel, dass er sich dessen Sohn Chasadja zum Gatten für seine Tochter Cassia ersehen habe. Zur Verherrlichung dieses vor der versammelten Gemeinde geschlossenen Ehebundes dichtete der Sohn Schefatja’s, der Naniensträger seines Vaters, Amitthai, einen Hochzeitsgesang 2), ein Zeugniss von der Pflege der neuhebräischen Poesie in Süditalien wie von der in der Familie Schefatja’s sich forterbenden Begabung für den synagogalen Piut. So war es ein von den wonnigen Bildern eines gesegneten Hausstandes und des beglücktesten Familienlebens begünstigtes Dasein, das R. Schefatja beschieden war. Die Schrecken der Glaubensverfolgung waren an seiner Heimatsgemeinue vorübergegangen, die Stürme der arabischen Eroberung ohne Schaden für die Seinen dahingebraust. Bari war wieder byzantinisch, nachdem die Verbindung zwischen Basilios I. una dem deutschen Kaiser Ludwig II. die Herrschaft der Sara eenen gebrochen und die Festung zur Uebergabe gezwungen hatte5״׳). Nur das Bewusstsein von der Noth der Glaubensbrüder im ganzen Reiche des Macedoniers trübte den Lebensabend des Frommen von Oria, der in Bussgebeten und ergreifenden Klageliedern נ) P. 122, Z. 28 fehlt der Nachsatz, etwa: [אתנה לו לאשר. כחרבה]• 2) Feber אדון מרד מראשית אחרית (p. 123 Z. 12) s. Zunz, Literaturgeschichte 167 und Jeschurun ed. Kobak hebr. Abth. 6,64 n. 5. 3) Sismondi, Geschichte der italienischen Fi ei Staaten im Mittelalter, I, 332.