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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1896-08-01 · Heft 11 (August 1896) · p. Seite 502

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
40 (1895-1896)
Issue
Heft 11 (August 1896)
Article
Die Chronik des Achimaaz von Oria (850-1054)
Date
1896-08-01
Page
Seite 502 (sequence 7)
Language
German
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502 Die Chronik des Achimaaz von Oria. den Ahron nur auszusprechen brauchte, vermochte keines der nacheilenden Schiffe seinem Fahrzeuge sich zu nähern, noch dieses selbst in den Hafen .zurückzusteuern. Vergeblich soll dann noch Saudan vom Lande aus den heimwärts segelnden Wandersmann beschworen haben, zu ihm zurlickzukehren. Ahron’s Zeit war laugst abgelaufen, seine Rückkehr nach Bari unmöglich. Da sandte Saudan seinem hinwegziehenden Orakel noch die Frage nach, oh es ihm, dem Eroberer von Calabrien und Apulien, auch vergönnt sein werde,, das Herzogthum Benevent zu erobern und in der Hauptstadt einzuziehen. Ahron autwortete bejahend mit dem Bemerken, dieser Einzug werde nicht freiwillig, sondern geswungen erfolgen1), Yon Ahron aber kam die Nachricht nach Siiditalien, dass er glücklich die Heimat erreicht habe, von der er so viele Jahre als unsteter Wanderer sich hatte fern halten müssen. In Oria hatte er aber, wie einst Elia auf Elisa vor seinem Scheiden, auf Schefatja seinen Mantel geworfen. Alle Zauber der Geheimlehre, mit denen der Meister der Mysterien aus dem Morgenlande im Bunde gestanden, waren auf seinen Jünger übergegangen, der in seiner Heimat bald des Rufes unbedingter Wunderkraft sich erfreute. Die gruseligsten Erzählungen waren in Oria über ihn im Umlauf. So soll er einst des Nachts zwei Unholdinnen, die über einander in einem Hanse wohnten, beim Yortibergehen in dem Augenblicke belauscht haben, als sie gerade sich verabredeten, dem Kinde eines seiner Freunde das Blut auszasaugert 2). Rasch entschlossen trat er in das Haus, um das Kind den Klauen dieser Hexen zu entreissen. Zu Hause aber bei den Eltern des Knaben war Jammer und Entsetzen ausgebrochen, da zur selben Zeit durch den Zauber dieser Yampyre in Menschengestalt sein entseelter Körper vor den zu Tode erschreckten Angehörigen hingestreckt lag. Als Morgens die Trauernden vom Friedhof, wo sie den Scheinleichnam bestattet hatten, heimkehrten, erschien Schefatja, um sie zu trösten und nach den näheren Umständen dieses räthselhaften Todesfalles zu befragen. Das Kind lebt, erklärte der Rabbi, was ihr iiTs Grab gelegt habt, kann kein menschlicher Körper gewesen sein. In der *) Sollte diese orakelhafte Aeusserung dahin za deuten sein, dass man Saudan’s Leiche nach Benevent bringen werde? Eine historische Aufklärung für diese Angaben habe ich auch bei Amari, storia clei Muselmani di Sicilia II, nicht finden könnnen. Selbst der Name Saudan bedarf noch der Identification. 2) P. 122, Z. 5 ff.

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