Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 40 (1895-1896)
- Issue
- Heft 11 (August 1896)
- Article
- Die Chronik des Achimaaz von Oria (850-1054)
- Date
- 1896-08-01
- Page
- Seite 499 (sequence 4)
- Language
- German
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Die Chronik des Achimaaz von Oiia. 499 Ikonoklasten jeglichen Bilderschmucks ledig war, ward rasch die Stätte gefunden, die Schefatja für seinen Exorcismus geeignet erklärt. Es ist dies der aus der Eroberung Constantinopels im Jahre 1204 als Residenz Balduins bekannte Palast Bukoleon i), neben Magnaura, den Blaehernen und dem Heb domo 11 eines der kleineren Schlösser der Kaiser von Byzanz, hart am Bosporus castellartig aufgebaut. Vergeblich beschwor der Dämon den Rabbi, von einem Werke abzulassen, das einem der grössten Bösewichter und Judenverfolger, die jemals auf einem Throne sassen, zu Hülfe kam. Der Tyrann, meinte Schefatja, sollte den Gott Israels erkennen, dessen Diener es alsbald gelang, den bösen Geist in ein bleiernes Gefäss einzufangen, das er mit dem göttlichen Hamen wohl versiegelt ins Meer versenkte. Zum Danke für die wunderbare Rettung seiner Tochter begann Basilios den Wundermann sofort mit Anerbietungen und Bekehrungsversuchen zu peinigen. Aber Schefatja stand auf seinem Scheine. Unter dem Hinweis auf das Chrysobull schnitt er dem Tyrannen die Rede ab 1 2), der ihn denn auch sogleich zur Kaiserin entliess, die dem Retter ihres Kindes den unschätzbaren Gürtel und die Ohrringe, die sie trug, zum Geschenk für seine zwei Töchter mitgab. Als dann aber auch Basilios seine fürstliche Spenderlaune dem Frommen von Oria zeigen und Städte und Provinzen ihm zu eigen geben wollte, verlangte dieser Nichts als Glaubens״ freiheit für seine unglücklichen Brüder, und wenn diese nicht gewährt werden könne, wenigstens freie Religionsübung für seine Vaterstadt. Ein neues Chrysobull, das mehr zähneknirschend als gutwillig gewährt wurde, sicherte Oria den ersehnten Schutz zu; aber ein um so wilderes Wüthen und Verfolgen gegen die Juden im byzantinischen Reiche sollte den Tyrannen für die Oase von Duldsamkeit schadlos halten, die er sich nothgedrungen hatte entwinden lassen. Jahre auf Jahre waren Sonne und Mond, wie Achimaaz ergreifend sagt, für die jüdischen Bewohner von Byzanz erloschen, bis der Tod des Tyrannen den Gestirnen wieder ihr Licht zurückgab 3). Hier haben wir den Ursprung der Legende, die bisher nur wie ein abgerissener T011 aus den Ueberlieferungen der Piut- 1) Vgl Hertzberg, Geschichte der Byzantiner, p. 18, n. 1, 365—67. 2) ln der dunklen Stelle p. 1.17 Z. 8 verbessere ich: כר^ר, שד,כעם רד,ודר ן in כראד, [האדון] ״ ד,כעם והזדון• 3) P. 117 Z. 24 ist entweder: שנים עשרים וחמש ein Irrthum des Achimaaz, da Basilios I. bereits 886 starb, oder eine falsche Auflösung für die runde Zahl עשי־‘ וחמש. 32*