Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 40 (1895-1896)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1896)
- Article
- Geschichte und Annalen der Dyhernfurther Druckerei
- Date
- 1896-07-01
- Page
- Seite 477 (sequence 4)
- Language
- German
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Geschichte und Annalen der Dyhernfuitker Druckerei. 477 aus Kalisch, Krotoschin, Lemberg und Lissa, gab es ihrer stets so viele am Orte, dass sie Betstuben za täglichem Gottesdienste einrichteten und unterhielten. Kaufkräftige Abnehmer gab es sonach genug für einen jüdischen Buchdrucker und Buchhändler, wofern es ihm nur gelang, das Beeilt zur Ausübung seines Gewerbes zu erhalten. Leicht war es nun keineswegs, die mannigfachen Hindernisse, die sich der Ausführung des Unternehmens in den Weg stellten, zu beseitigen. Aber der Thatkraft, Umsicht und Ausdauer des neuen Unternehmers war es gegeben, der endlosen Schwierigkeiten glück־־ lieh Herr zu werden. Dieser neue Unternehmer war bekanntlich einer der wenigen Juden des achtzehnten Jahrhunderts, der ,,Ernten sammelte für spätere Jahre“ 1). Es war E. Schabtai Bass2), der Begründer der wissenschaftlichen Bücherkunde unter den Juden. Als er im 44. Lebensjahre daran ging, sich in Schlesien anzusiedeln, hatte er bereits eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Der polnisch-schwedische Krieg vom Jahre 1655, der entsetzliches Eiend über die Judenschaft des polnischen Beiches brachte und seiner Heimatsgemeinde Kalisch allein an die sechshundert blutige Opfer kostete3), hatte ihn seiner Eltern4) beraubt und nach Prag verschlagen. Hier lernte er den Talmud bei B. Meir Wärters5) und erhielt Gesangunterricht vo»n E. Loeb Schir ha-Schirim6), in dessen Familie, ־wie der Zunamen beweisen soll, die Sangeskun.de seit mehreren Geschlechtein erblich war. Seine Anlagen und Kenntnisse verschafften ihm dann das Amt eines Bassisten in der sagenumwobenen Prager Altneuschul. Die reichliche Müsse, die ihm sein bescheidenes Amt liess, widmete er literarischer Thätigkeit. Mit seinem scharfen Blick für das Praktische erkannte er richtig die Schäden der Jugenderziehung und der gelehrten Bildung seiner Zeit und bemühte sich redlich, ihnen ־נ) Zunz, Zur Ge3ch. und Litteratar, S. 27. 2) Wolf, Bibi. Hebr. I, p. 12—15. I. III. IV. Nr. 1923. II. p. 957 f. Steinschneider C. B. Nr. 6862. 9062. JT. S. 87. 3) טיט ד\ון, ed. Gurland im Jahib. אוצר הספרות IV, 426. 4) Sein Yater hiess B. Joseph b. B. Jacob; Zunz, z. Gesell., S. 245. 5) Ueber B. Meir b. K. Simon Wärters, ״der in der Altschul thut שיעורים sagen“ und im Sche־bat 1693 (Hock-Kaufmann משפחות ק״ק פראג, S120 ״) gestorben ist, vgl. Steinschneider C. B. 6330. 3203. 3343. 3626. 3686. 6) Ueber den Bassisten Loeb Schir 11a - Schirim s. Wolf III, Nr. 1358 c. Nach Hock-Kaufmann (a. a. 0., S. 363) st. 8. Frau Cheile, Tochter des B. Bendit Asch, Sonntag, 11. Mai 1704 und s. Sohn Eisik im Jahre 1714.