Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 40 (1895-1896)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1896)
- Article
- Geschichte und Annalen der Dyhernfurther Druckerei
- Date
- 1896-07-01
- Page
- Seite 476 (sequence 3)
- Language
- German
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476 Geschichte und Annalen der Dyhernfurther Druckerei. in schlesischen Städten eingefunclen hatten, eine gewisse Wichtigkeit. Wurde doch hier trotz der wiederholten Pürstentagsbeschlüsse, welche seit hundert Jahren den Juden überall, im Lande, ausser in Glogau und Züiz, das Wohnrecht versagten1), zum ersten Mal wieder einem Glaubensgenossen und seiner unentbehrlichen CLientel die erste Ansiedelung gestattet. Bei Weitem folgenreicher ward es für den Ruf des Städtchens, dessen typographische Erzeugnisse bald weit und breit in wachsender Anzahl Yerehrer, Käufer und Leser fanden. Nirgends in Polen, Litthauen und Russland gab es damals eine hebräische Druckerei2). Die Juden dieser Länder, ausgezeichnet durch asketische Frömmigkeit und durch den bewmidernswerthen Fleiss, den sie auf das Studium der schriftliehen und mündlichen Lehre verwendeten, waren darauf ange״ wiesen, ihre Bücher entweder auf dem höchst langwierigen Wasserwege über Danzig und Memel aus Amsterdam3) oder auf dem äusserst kostspieligen Landwege über Leipzig und Frankfurt a. 0., wohin sie nur vergleichsweise lose Handels״ beziehungen hatten, kommen zu lassen. Um so lebhafter war ihr Handel nach Breslau. Etwa zwei Drittel des gesammten Verkehrs, bei dem alljährlich etliche hundert Tausend Thaler umgesetzt wurden, befand sich damals, wie actenmässig 4) fest״ steht, in ihren Händen. Dadurch erklärt es sich leicht, dass sie nach Belieben ungehindert kürzeren oder längeren Aufenthalt hier nehmen konnten5). Ja aus einzelnen Gemeinden, z. B. 1-) Vgl. meine Geschichte des Landrabbinats in Schlesien, S. 3, n. 1. 2) Ygl. JT [= Art. ,,Jüdische Typographie und jüdischer Buchhandel von M. Steinschneider u. D. Cassel in Ersch und Grubers Encycl., 2. Section“, 28. Th.], S. 74, vgl. 66. Die von TJri Phöbus ha״Levi aus Amsterdam in Zolkiew eröffnete begann erst 1693 ihre Thätigkeit und -erfreute sich, da die Ausstattung äusserst mangelhaft war, auch dann keiner grossen Beliebtheit. 3) Wir halten dafür, schreibt der Magistrat za Breslau am 7. Eebraar 1685 an das Kgl. Oberamt daselbst in einem Gutachten, in welchem ־er die Aufrichtung einer hebr. Buchdruckerei in der Nähe der Stadt widerräth, dass ״weil... in Holland zu Amsterdam drey starke Jüdische Druckereven seyn, aus welchen die Bücher zur See nacher Dantzig und der Slemmel gebracht und damit die Juden in Pohlen und Litthauen versehen werden, Allerhöchstgedachte Ihro Kayser- und Königl. Mayst. von der im Lande Schlesien intentirten Druckeiey ein schlechtes Emolumentum zu ge warten haben würden.“ (Stadtarchiv Breslau F. 8, 25 fol. 160). Kgl. Staatsarchiv St. Breslau II, 26 d. Zimmsrmann, Gesell, und Yerf. d. Juden in Schlesien, S. 27 ff. Grünhagen, Gesch, Schlesiens II, 383 ff. 5) Ygl. meine Gesch. d. Landrabbinats in Schles., S. 9 ff,