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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1896-07-01 · Heft 10 (Juli 1896) · p. Seite 475

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
40 (1895-1896)
Issue
Heft 10 (Juli 1896)
Article
Geschichte und Annalen der Dyhernfurther Druckerei
Date
1896-07-01
Page
Seite 475 (sequence 2)
Language
German
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Geschichte und Annalen der Dyhernfurther Druckerei. 475 materielle Wohl der neuen Bürgerschaft zu heben, gewann der Grundherr bald auch ein Privileg, das geeignet war, dem 0erteilen eine gewisse Bedeutung im Bereich der Intelligenz zu verschaffen. Er erwarb am 12. Juli 1667 die Berechtigung, in seiner Stadt eine Buchdruckerei1) zu errichten, und was ei in seinem staatsmänirischen Gemütke vorahnend geschaut hatte, erfüllte sich, wenn auch in einer anderen Wendung als in derjenigen, die er selber von vornherein für die gerade Entwickelung za halten geneigt gewesen wäre. Als nämlich der erste Nutzniesser des Privilegs Johann Theophil Kopydlansky mit seinem Unternehmen nach kurzer Frist gescheitert war2) und sich Jahre lang neue Bewerber nicht gemeldet hatten, entschloss sich der Inhaber3), einem jüdischen Buchdrucker die Ausübung des Privilegs zu gestatten. Der denkwürdige Tag, an welchem der Yertrag mit dem neuen Unternehmer rechtskräftig wurde, war der Geburtstag der jüdischen Gemeinde des Städtchens. Das bescheidene Ereigniss hatte für diejenigen Juden, die nach dem dreissigjährigen Kriege sich hie und da x) Sie begann ihre Thätigkcit am 1. Mai 1668. Das erste litteraxisehe Erzeugniss, das hier erschien, hat folgende«. Titel: Glückwünschender ZYRYF an Dehn Hochwohlgeborenen Herrn, Herrn Georg Abraham FREYHERRN TON DYHERRN, HERRN zu Dykernfurth,. Gloschkau, Ganscherau und Wahren pp. n Der Rom: Kayserl.: auch zu Hungern und Beheimb König]. Majestät Rathe, Cämmerern des Gross- Glogawischen Fürstenthumbs vollmächtigen Landes-Hauibtmann, als Ikro Freyherrl, Gnaden in Dehro Stadt Dyhernfurth zu Dehro unsterblichem R״VHM ano 1668. den 1. May eine Buchdruckerey aufrichten liess, gehörsambst übererreicht von Johann — Theophilo Kopydlansky, Buchdruckern daselbsten. Die erste Strophe des überschwänglichen Liedes — es hat deren neun — lautet: ״Wie soll nicht grosser Dyhrn der gantze Helion(1) j| Die Musen alle neun in deinen Diensten leben || Ein ewiges Gerücht das schöne- Werk erbeben || Apollo setzt DIR selbst die immer grüne Crohn || Von seinen Zweigen auf and schätzet sich beglücket || Dass sein gelahrtes Reich von newem wird beschicket®. Und die letzte: ״Nimm von mir, Grosser Herr, die Erstlinge geneigt | Dein Knecht wird künfftig sich was mekres unterfangen || Und die Stadt Dyhernfurth noch diesen rühm erlangen || Dass ihre Presse viel und volle Schrifften zeigt. || Die Musen ingesambt(!) versamblen sich und Schlüssen: || Wir wollen Dehn von Dyhrn für unsern Phebus{!) grüssen.“ 2) Ygl. Schles, Provinzialblätter 114 (Jahrg. 1841), S. 544. Z. XX, 66. XXIX, 259 f. und Breslauer Stadtarchiv F. 8,25 (Libri ad reges et principes) fol. 160. 3) In den Besitz des Städtchens war inzwischen die Familie von Glaubitz gekommen (v. Saarma-Jeltsch, Wappenbuch der Schlesischen Städte, S. 44). Grundherr war damals Christoph Franz v. Glaubitz aus dem Hause Brieg, der am 13. April 1699 das Freikerrn-Diplom erhalten hat. (v. Ledebur a. a, 0. I, 262 f. Bla£ek a. a. 0. II, 40. Kneschke a. a. 0. III, 536).

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