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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1896-07-01 · Heft 10 (Juli 1896) · p. Seite 472

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
40 (1895-1896)
Issue
Heft 10 (Juli 1896)
Article
Die Chronik des Achimaaz von Oria (850-1054)
Date
1896-07-01
Page
Seite 472 (sequence 11)
Language
German
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472 Die Chronik des Achimaaz von Oria. hier bereits clie feste Einrichtung bestanden haben, allsabbatlieh im Anschluss an die Vorlesung der Wochenabschnitte die Schrifterklärung aus einem Midraschwerke folgen za lassen. Ein Gelehrter aus Palästina, der Venosa1) besuchte, war hier zurückgehalten worden, der allwöchentlich im Gotteshause das Amt des Predigers versah. Das Midraschwerk, das den Predigten zu Grunde gelegt zu werden pflegte, lag in der Synagoge, um für die Vorträge zur Hand zu sein. Da der Gelehrte aus dem Morgenlande seine Auslegungen sicher hebräisch vortrug, so war in der Person des gelehrten und auch als synagogaler Dichter sich bereits hervorthuenden K. Silano2) ein Meturgeman gleichsam, ein Dolmetsch bestellt, der in der Landessprache das Vernommene der Gemeinde sofort zum Verständniss brachte. Aber Silauo war auch ein Spottvogel, der dem zugereisten Prediger gern einmal ein Bein stellen mochte. Ein vielbesprochener Vorfall brachte die ersehnte Gelegenheit dazu. An einem Markttage, an dem die Dorfleute mit ihren Wagen nach der Stadt zu kommen pflegten, war. ein Streit entstanden, in den auch die Weiber von Venosa thätig emgegriffen hatten. Mit ihren halbversengten Ofen- Schürhaken waren sie aus den Häusern auf die Gasse gestürzt und mit den streitenden Dorfleuten handgemein geworden. Dieser lächerliche Vorgang sollte in die Predigt hineingeschmuggelt werden. Mitten in den Wortlaut des Midrasch zum Wochenabschnitt schrieb Silano in knappen Versen 3) die Geschichte dieses komischen Vorfalls auf eine Stelle, deren heiligen zwei Zeilen langen Text er zuvor sorgfältig weggekratzt hatte. Als der ahnungslose Prediger in seinem Vortrage zu dieser Stelle gelangte und die bedenklichen Worte unbedacht zur Verlesung brachte, eilte sein Dolmetsch, der überraschten Gemeinde davon Mittheilung zu machen, wie der neueste Stadtklatsch bereits in der Predigt eine Stelle gefunden habe. Allein die leichenfahle Blässe des ob dieses Fallstricks entsetzten Redners zeigte bald, von wem der lose Streich aus- ג) P. 114 Z. 30: בבינופי. Bei .Neubauer ist der Ortsname nicht erkannt, daher er denn auch im Index gänzlich fehlt. Jew. quart. Beview IV. 615 spricht Neuhauer irrthümlich von B. Silano, at Benevento. 2) Ascoli’s Schreibung des Namens מילנו, p. 84 •Nr. 89 auf dem Epitaph von Tarent, Silano wird durch die von Lenormant in Gazette areheologique VIII, 208 mitgetheilte entsprechende lateinische Grahschrift bestätigt: Samuel filius Silani. Neubauer a. a. 0. schreibt: Selano. 3) p. 115 z. 7: באו האנשים בקרון * ויצאו ה(א)נשים מפורק 4והכו האנשים בפורקן.

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