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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1896-07-01 · Heft 10 (Juli 1896) · p. Seite 469

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
40 (1895-1896)
Issue
Heft 10 (Juli 1896)
Article
Die Chronik des Achimaaz von Oria (850-1054)
Date
1896-07-01
Page
Seite 469 (sequence 8)
Language
German
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Die Chronik des Achimaaz v^-on Oria. 469 sie sich zu dem einzigen Mittel, das helfen konnte. Sie schrieben den heiligen Namen G-ottes, den unaussprechlichen, nieder, schnitten dem Knaben in die Mitte des rechten Arms, legten das Amulet in die Wunde und hatten so den bereits dem Tode Verfallenen den Mächten der Unterwelt entwunden. ]Der Knabe war dem Leben wiedergegeben, aber einem Leben der Unrast, das nicht sterben konnte und von Ort zu Ort in ruheloser Hast zu wandern sich verdammt fühlte. Jetzt war sein Gehelmniss erkannt worden, die müde Seele lechzte nach Kühe. Man sollte das Leichentuch1 2) herbeibringen, auf dem sein gehetzter Leib entseelt niedersinken wolle. Ein Schnitt in die willig preisgegebene StelLe seines rechten Arms, und das Amulet war entfernt; ein entseelter Körper lag auf dem Boden. Aber die eigentliche Glanzepoche in dem Wanderleben Ahrons fällt in die Jahre, die er in Oria-) verbrachte, wohin er sich nach seinem vorübergehenden Aufenthalte in Benevent begeben hatte. Hier, in dem Brennpunkte des jüdischen Lebens in Italien, wo ganz besonders die Söhne Amittliafls, Schefatja und Ohananel, bereits ihre ruhmvolle Wirksamkeit begonnen hatten, fand Ahron nicht nur zur Betätigung seiner ■Geheimkünste, sondern mehr noch zur Entfaltung seiner tief- ..gründigen Gelehrsamkeit und zur Portpflanzung seiner aus Babylonien mitgebrachten Gesetzeskunde überreiche Gelegen- .־heit. Die Lehrhäuser der Gemeinde blühten auf wie unter wundersamer Berührung. Es war, so malte die späte Ueberlieferung noch die tiefen Wirkungen dieses ergebnisreichen .Besuches aus dem Morgenlande aus, als ob der Tempel nie zerstört worden wäre, als ob das Gesetz noch in seiner vollen Ausdehnung Leben und Anwendung besässe, die Urim und Thumim noch beständen, die Priester noch im Amte wären und der Gerichtshof der Synhedrin noch tagte, Man erzählte sich sogar, dass Ahron die vier Todesstrafen aus der alten Zeit wieder eingeführt habe, und überlieferte vier Vergehungen, bei denen er thatsächlicli diese vier verschiedenen Todesarten, Strang, Köpfung, Steinigung und Verbrennung, hatte ausführen lassen3). Eine dieser Ausschreitungen knüpfte an den Namen uines Theophilo an, der durch eine denkwürdige Handlungsweise noch als Schuldbeladener der Vergessenheit sich entzogen hatte. 1) So ist wohl p. 114 Z. 13 והביאו ד,שבלה #וטליה עלה zu verstehen. 2) Auch hier p. 114 Z. 16 in אורן verdorben. 3) So verstehe ich p. 114 Z. 24—27.

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