Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 40 (1895-1896)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1896)
- Article
- Die Chronik des Achimaaz von Oria (850-1054)
- Date
- 1896-07-01
- Page
- Seite 465 (sequence 4)
- Language
- German
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Die Chronik des Achimaaz von Oria. 465 Amitthai. An der Spitze der Ahnen seines Geschlechtes, gleichsam als Heros und Begründer des Hauses steht für Achimaaz ein Mann, der bereits die Eigenschaften, durch die seine Nach״ kommen glänzen, vorbildlich in sich vereinigt, ein Dichter und ein Gottesgelehrter, Namens Amitthai1). Wie Josippon die jüdischen Ansiedlungen in Apulien auf die 5000 palästinensischen Gefangenen zurückführt, die Titus in Tarent, Otranto und anderen Ortschaften sich niederlassen hiess2), so erblickt Achimaaz den Ursprung der jüdischen Bevölkerung seiner Heimat in den Kriegsgefangenen Jerusalems3), die Titus auf einem Schiffe hierherführte. Eiir ihn ist Oria4) der Stammsitz der jüdischen Gelehrsamkeit von Anfang an, offenbar der Yorort aller Gesetzeskunde und frommen üebung für ganz Süditalien. Amitthai verliert sich aber für unsern Chronisten noch völlig im Nebel der Urgeschichte. Kein Ereigniss knüpft an seinen Namen an, selbst die Sage schweigt von seinen Lebensumständen. Er ist nur als Anfangsglied einer stolzen Reihe von Namen, als der Yater der drei Söhne Schefatja, Ckananel und Eleasar im Geclächtniss der Nachwelt haften geblieben. Ehe uns aber Achimaaz die Zeit dieser Söhne schildert, hält er es für geboten, gleichsam den geistigen Hintergrund für die Begebenheiten ihrer Tage durch ein Ereigniss zu beleuchten, das noch in seiner Jugend in Aller Munde lebte, durch das Auftreten des Taters der Mysterien5), Ahrons oder Abu Haruns aus Bagdad, dessen Erscheinen in Unteritalien auf die Zeitgenossen einen so tiefen Eindruck gemacht haben muss, dass die Sage noch zweihundert Jahre darnach wie an einem unerschöpflichen Stoffe an dieser Begebenheit weiterspann. Akrou. Dass noch einmal von der mythischen Persönlichkeit, die uns Eleasar von Worms und andere Gebetcommentatoren als den Lehrer des Mose b. Kalonymos oder Mose des Alten 1) P. 1L2 Z. 6. 2) Neubauer in Jewish Quarterly Review IV, 623 f. 3) So verstehe ich p. 112 z. 4: עם הגרלה אשר ם־טום הג[לה] * העיר כיופי כלולה. 4) Neubauer a. a. 0. 615’vermisst die Ortsangabe .für die Ansschiffung der Gefangenen. Es ist aber p. 112 Z. 4: ובאורן עלו in ובאורי עלו zu verbessern, Oria also deutlich angegeben. 5) Zunz, Literaturgeschichte der synagogalen Poesie p. 105. Monatsschrift. 40. Jahrgang. 30