Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 40 (1895-1896)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1896)
- Article
- Die Chronik des Achimaaz von Oria (850-1054)
- Date
- 1896-07-01
- Page
- Seite 466 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829682-2829693-2880061--27285-2880105- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
466 Die Chronik des Achimaaz von Oria. in den Geheimnissen des tieferen Sinnes der Gebete vorführen 1), von Ahron, den! Yater der Mysterien, nähere Kunde uns zu Theil werden würde, hätte noch vor wenigen Jahren Niemand zu hoffen gewagt. Wohl hat auch hier das Geranie der Sage den Stamm bereits erstickt, aber es ist kein Zweifel, dass es sich in den bekannten Ueberliefernngen, in denen Ahron als Sohn des Samuel, des Nasi von Babylon, auftritt, und der überraschenden neuen Kunde, in der er als Sohn eines ehrsamen Müllers in Bagdad, aus redlichem Hause1 2) stammend, erscheint, um denselben geheimnissvollen Gast aus dem Morgenlande handelt. Dass er die Heimat aus einem unbekannten Grunde hatte verlassen müssen, das hatte man immer gewusst und überliefert. Jetzt wissen wir auf einmal, was sich die Sage darüber erzählte. Der Meister der Geheimnisse war auch ein Jüngling von übernatürlicher Körperkraft. Als einmal das Maulthier, das die Mühle seines Täters trieb, durch seine Unachtsamkeit, da er sich entfernt hatte, von einem Löwen zerrissen wurde, spannte der junge Herkules das Raubthier vor die Mühle. Entsetzt sah der Tater das Wunder, das hier geschehen war. Wie ein Vergehen wider die Natur, die den König der Thiere nicht zur Lastarbeit geschaffen hat, wie ein Verbrechen, das nach Sühne schrie, erschien ihm die Kraftprobe des damals schon mit den dunklen Gewalten im Bande stehenden Sohnes« Drei Jahre lang sollte er zur Strafe unstet von Ort zu Ort wandern, in’s Exil gehen, wie der Ausdruck lautete, und dann erst, wenn er den Fehler bereut, in die Heimat zurückkehren dürfen. Ton dem Fluche des Taters zur Unrast verurtheilt, wandert Ahron von Bagdad nach Jaffa, wo er das erste Schiff besteigt. Die Matrosen auf den Schiffen rechts und links3), die er anredete, erfuhren bald, -welch ein seltsamer Gast sich da mit ihnen einschiffen wolle, Gab er doch die kühne Ter- Sicherung, dass das Schiff, das ihn mitnehmen würde, von räuberischen Anfällen ebenso wie von Sturm gefahren zuver- 1) Zunz a. a. 0. 105 f. und Neubauer in Revue des etudes juiyes XXIII, 2B0—7. 2) P. 112 Z. 12. Neubauer, Jewish Quarterly Review IY, 615, lässt irrthiimlich die drei Söhne Amitthai’s aus der Familie Joab stammen. Ich hege die. Vermuthung, dass מבית יואב in musivischem Anklang an Sanhedrin f. 49a nur bedeutet: aus frommem, tadelfreiem Hause. Vgl. Zunz, Ges. Schriften 111,162. 3) ich ergänze z. 20: בא עד יפת ♦ [ואניות] מצא מפת ומפת.