Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 40 (1895-1896)
- Issue
- Heft 7 (April 1896)
- Article
- Über einige Theologen des Franziskanerordens und ihre Beziehungen zum Judenthum
- Date
- 1896-04-01
- Page
- Seite 328 (sequence 15)
- Language
- German
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328 Heber einig'e Theologen des Franziskanerordens. begrenztem Vertrauen zu seiner ״Kunst“ erfüllt, macht er sich anheischig, durch diese auch die Ungläubigen von der Wahrheit des Christenthums zu überzeugen, die Häretiker wie die Moslems, die Juden wie die Griechen zur Anerkennung des römisch-katholischen Dogmas zu zwingen1). Nach einer von Adolf Eranck ausgesprochenen Yermuthung, der Stockt, vielleichtweil es sich um einen der Kirche nicht ganz genehmen Schriftsteiler handelt, allzu, bereitwillig seine Zustimmung ertheilr2), soll Eaymundus Lull ns die Anregung zur Erfindung seiner grossen Kunst durch die Kabbala empfangen habena), deren Existenz und Name allerdings durch die De auditu Kabbalistico betitelte Schrift des Lullus dem christlichen Europa wahrscheinlich zum ersten Mal bekannt geworden sind. Es wäre für uns von nicht geringem Interesse und würde vielleicht zur Aufliellung so manches Dunkels beitragen, wenn wir von einem christlichen Landsmann und Zeitgenossen des Mose de Leon einen Aufschluss über die damals in Spanien verbreiteten kabbalistischen Anschauungen erhielten. Allein in der Schrift des Lullus werden wir einen solchen Aufschluss vergeblich suchen. Als Lehren der Kabbala, für deren Namen er übrigens neben der ihm nicht unbekannten bei den ,,Hebräern“ üblichen Erklärung eine den ,,neueren Kabbalisten“ zugeschriebene geradezu ungeheuerliche Ableitung giebt4), trägt Lullus nichts Anderes als die Prinzipien, seiner grossen Kunst vor, die er in jeder seiner Schriften bis zum Ilebercl ross wiederholt. Zu einer Iclentificirung seiner Kunst mit der Kabbala mag ihn vielleicht der Umstand veranlasst haben, dass ebenso, wie er seine Kunst göttlicher Erleuchtung zu verdanken glaubt, auch die Kabbala sich als eine von Gott geoffenbarte Weisheit und Wissenschaft x) Reuter, Gesell, d. relig. Aufklärung II, S. 97. 2) Stock!, Gesell, der Philosophie des Mittelalters, Mainz 1865, II, S. 939. 3) Ach Eranck, La Kabbale, Paris 1843, S. 7. 4) Kaimundi Lulli opera ea, quae ad invenfcam ab eo arten! universalem pertinent. Argentorati 1651. Do auditu Kabbalistico pag 44: Et dicitur haee doctrina Kabbala, quod idem est secundum Hebraeos ut receptio veritatis cujusllbet rei divinifcus revelatae aniuiae rationali. Et secundum modernos Kabbalistas Kabbala cum sifc nomen compositum ex duabus dictionibus, yidelicet abba et ala, ahba enim Arabice quod pater Latine, et ala Arabice idem est quod Deus meus, et cum Deus meus nomen nihil aliud importet nisi Christum Dominum nostrum benedictum, qui vere filius Del est ot filius Dei nihil aliud importat nisi sapientiam dlvinam, propterea dicimus, quod hoc vocabulum Kabbala, quod scribitur per litteram K, nihil aliud est Arabice q importans, Latine Pater abundans sapientia.