Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 40 (1895-1896)
- Issue
- Heft 7 (April 1896)
- Article
- Über einige Theologen des Franziskanerordens und ihre Beziehungen zum Judenthum
- Date
- 1896-04-01
- Page
- Seite 327 (sequence 14)
- Language
- German
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Ueber einige Theologen des Franziskanerordens. 327 Lehre, weil, sie auf:‘ eine Identificatiun der Materie mit Gott hin aus läuft1). Die universelle, auf eine allgemeine Wehverbesserung gerichtete Tendenz des Boger Bacon tritt uns auch noch bei einem anderen, dem Eranziskanerordin angehörenden Theologen des dreizehnten Jahrhundejts, bei dem Spanier Baymundus Lullus (1235—1015) entgegen. Allein trotz dieser Ueberein־ Stimmung in ihren letzten Zielen ist doch kaum ein schrofferer Gegensatz denkbar, als wie er sich in dem schriftstellerischen Charakter dieser beiden Theologen geltend macht. Während Bacon alle Wissenschaft auf die Erfahrung gründen will, sich von der Anwendung der induktiven Methode eine ungeahnte Bereicherung der mensclichni Erkenntniss verspricht, glaubt Baymundus Lullus durch aprioristische Konstruktionen die tiefsten Geheimnisse ergründen zu können; er will in seiner Ars magna eine Methode gefunden haben, durch blosse Konibination von Begriffen neue Erkenntnisse zu erschliessen, jede wissenschaftliche Aufgabe lösen zu können. Der spanische Scholastiker hält es für seine wichtigste Aufgabe, der ver- ]leerenden Wirkung entgegenzufreten, die der Averroismus durch die Lehre von der doppelten Wahrheit, von der Wahrheit des Glaubens und der Wahrheit der Yernunfterkenntniss, im Geistesleben seiner Zeit an gerichtet habe. Gegenüber der Anschauung, dass die Vernunft etwas Anderes und Entgegengesetztes als der Glaube lehre, will Lullus die Identität der Offenbanmgs- und der Vernunftwahrheiteil nachweisen, auf dem Wege der logischen Konstruktion auch die Mysterien des Glaubens zu unumstösslicher Gewissheit erheben. Von unb Op. tert., cap. 38, pag. 120: Et cum omnes ponant■, quod materia sit una numero in omnibus rebus, scilicet spiritualibus et corporalibus et in coelestibus et in elementis et mixtis et in animatis et in anima et in omnibus, et cam hoc sit error pessimus, qni unquam fu.it in philosophia positus, ideo aggredior baue positionem et hnjusmodi positionis distinctio est valde necessaria . . . Ostendi etiam quod ex hoc errore sequitur, quod materia sit aequalis Deo et sit Deus . . . Non solum igitur est error, sed haeresis, quia blasphemiam inducit. Et tarnen vulgus studentium in theologia et philosophia hoc affirmant, sed non advertant inconvenientia, quae sequuntur propter hoc, quod ja in exemplificatum est per rapita vulgi et per consuetudinem longam ftrmatum et celebratum per sensum mulfcitudiuis. Op. maj. pag. 66: Multitudo vero pbiiosophantium non solum in forma propria pbilosophiae, sed in usu theologiac dicit et asserit, quod una est 11 ateria numero in omnibus rebus, et quod solum est diversitas a parte formarum. Sed hic est error infinit 11s etc. Specula mathematica (Francofurti 1614) pag. 51 seq.