Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 40 (1895-1896)
- Issue
- Heft 7 (April 1896)
- Article
- Über einige Theologen des Franziskanerordens und ihre Beziehungen zum Judenthum
- Date
- 1896-04-01
- Page
- Seite 321 (sequence 8)
- Language
- German
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lieber einige Theologen des Franziskanerorde 11s. 321 auch auf dem Gebiete der Religion den humanste!] und freisinnigsten Anschauungen huldigt, ist Roger Bacon selbstverstündlich weit davon entfernt, seine Schriften durch solche!lässliche Aeusserungen der Intoleranz und des Judenhasses zu verunzieren, wie sie uns z. B. bei seinem jüngeren Zeit- und Ordensgenossen Johannes Duns Scotus entgegen treten 1). Man braucht nicht mit Erdmann2) an der Aufrichtigkeit Bacon’s zu zweifeln, wenn er behauptet, dass er in seinen, wissenschaft-Jichen .Reformbestrebungen sich in erster Reihe von der Absicht leiten lasse, der Kirche und ihren Zwecken dienen zu wollen. Damit mag es ihm völliger Ernst gewesen sein, nur dass seine Auffassung von der Kirche und ihren Zwecken von der seiner •Zeitgenossen durch eine himmelweite Kluft geschieden ist. Darum ist er ja auch mehr noch zum Märtyrer als zum Reformator geworden. Weil er in seinerWeise an die Kirche glaubt, darum will auch er die Ungläubigen, zu denen auch die Juden gehören, in die Arme der Kirche führen. Aber als Mittel hierzu, soll ihm nicht die Anwendung irgendwelcher Zwangsmassregeln, sondern das Licht der Wissenschaft dienen. In ihren wesentlichsten Grundlehren nämlich sind nach Bacon Glauben und Wissenschaft, Christeuthum und Philosophie, von einander durchaus nicht verschieden. Das Heil, das Christus der Welt gebracht hat, ist nichts Anderes als eine Offenbannig der alten Wahrheit, die von Anfang an in der Welt ־war, denn Gott kann die Menschen, nicht ohne Kenntniss der Wahrheiten gelassen haben, die für ihr Heil nothwendig sind3). Die Patriarchen und Propheten des alten Testaments sind als die Träger dieser ÜToffenbarung zu betrachten, die zuerst und in vollkommener AVeise in hebräischer Sprache mitgetheilt wurde4). Von den Patriarchen und Propheten, die nicht nur mit dem göttlichen Gesetze vertraut, sondern wahre Philosophen!) Monatsschrift, Jahrg. 38, S. 30 fg. ä) Erdmann, Geseh, der Philosophie, Eexlin 1866, I, S. 405. 3) De philosophia morali (Charles S. 343): Kam hujusmodi veritates sunt necessaiiae humano generi et non est salus hominis nisi per notitiam harum veritatum. Et ideo oportuit, quod oumibus salvandis a prineipio irnmdi essent hujusmodi veritates notae, Quantum sufficit saluti. 4) Op. tert., cap. IO, pag. 82: Revelavit igitur Deus primo philosophiam sanctis suis, quibus et legem dedit , . . Et ideo primo tradita est et complete in lingua Hebraea. Ibid. cap. 24, pag. 79: Deinde probo, quod tota sapientia pbilosophiae da1a est a Deo, quia sancti. patriarchae et propbetae a prineipio mundi eam receperunt a Deo. Monatsschrift. 40. Jahrgang. '21