Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 40 (1895-1896)
- Issue
- Heft 7 (April 1896)
- Article
- Über einige Theologen des Franziskanerordens und ihre Beziehungen zum Judenthum
- Date
- 1896-04-01
- Page
- Seite 319 (sequence 6)
- Language
- German
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Heber einige Theologen des Franziskanerordens. 319 Lebens fallende lange Gefängnisshaft waren im Stande, ihn in seiner Ueberzengimgstreue wankend und seinen Vorgesetzten gegenüber gefügiger zu. machen. Er fordert für die Wissenschaft das Recht der freien Forschung und will sie von dem blinden Autoritätsglauben befreien, den er neben der Macht der Gewohnheit, dem Mangel an Selbstkritik u. A. als eine der Ursachen für die geistige Verdummung bezeichnet, durch die alle Forschung gelähmt, jeder Fortschritt gehemmt werde. Die Wissenschaft dürfe sich ihre Resultate nicht vorschreiben lassen; nur von einer völligen Umkehr der Wissenschaft, von einer Rückkehr zu den Quellen der Erkenntniss könne eine Besserung erwartet werden. Man wird unwillkürlich an seinen um mehr als drei Jahrhunderte jüngeren Landsmann und Namensgenossen, an Baco von Veralam, erinnert, wenn unser Autor die Forderung erhebt, dass an Stelle des logischen Konstruirens die empirische Beobachtung treten müsse, dass man, anstatt sich mit den Theorieen Anderer über die Dinge zu beschäftigen, die Dinge selbst erforschen müsse. Auf dem Gebiete der Naturwissenschaft, die auch für die Theologie und für ein richtiges Verständniss der Bibel unentbehrlich sei, müsse die induktive Methode eingeschlagen, als sicherstes Beweismittel das Experiment anerkannt werden. Eine Erneuerung des Studiums der Philosophie und der Theologie sei 1111־ denkbar, wenn nicht zuvor auf eine Erneuerung der Sprach- Wissenschaft hingewirkt werde. Aus den ohne Sachlind Sprachkenntniss unternommenen Uebersetzuugen des Aristoteles1) sei ein richtiges Verständniss der aristotelischen Lehre nicht zu gewinnen. Und wie man, um den Aristoteles zu verstehen, sich eine ausreichende Kenntniss der griechischen Sprache aneignen und auf das Original zurückgehen müsse, so dürfe man sich auch, was die Bücher des alten Testaments betrifft, nicht an der Vulgata genügen lassen, sondern man müsse die hebräische Sprache erlernen, um diese Bücher im Urtext lesen zu können. Der Mangel an gründlicher Sprachkenntniss, so führt Bacon ans, hat auf das Verständniss der Bibel den ג) Roger Bacon erwähnt den Juden Andreas, der an den dem Michael Scotus zugeschriebenen Aristotelesübersetzungen einen grösseren Antheil als dieser selbst habe. Compendium studii philosophiae, Brewer Opera inedita, pag. 472: Similiter Michael Scotus ascripsit sibi translationes multas. Sed certum est, quod Andreas quidam Judaeus plus laboravifc in bis. Die von Gxaetz (Ue־sch. d. Juden B. YIP S. 87, Anmerk. 2) angenommene Identität dieses Andreas mit dem bekannten Jacob Anatoli wird von Steinschneider bestritten. Ygl. Steinschneider, Die hebräischen Übersetzungen des Mittelalters, Berlin 1800, S. 481.