Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 40 (1895-1896)
- Issue
- Heft 7 (April 1896)
- Article
- Beiträge zur Erklärung des Buches Hiob
- Date
- 1896-04-01
- Page
- Seite 296 (sequence 8)
- Language
- German
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296 Beitrage zur Erklärung des Buches'Hiob. Horn ist ,,Hiob ein Trauerspiel in 2 Hauptacten mit einem Vormul einem Nachspiel“. V'or- und Nachspiel sind in euripideischer Weise episch gehalten, sie bilden den prosaischen Rahmen des liochpoetisehen Werkes (577). E. Meier, Geschichte der poetischen Nationallitteratiu־ der Hebräer, Leipzig 1850, Endet den Vergleich des Buches mit den griechischen Tragödien, besonders mit dem Prometheus des Aeschylos, nicht unpassend, lässt aber doch (S. 523) in Hiob die 8 Grundformen aller Dichtung vereinigt sein, lyrische, epische und dramatische Elemente. Ich hätte noch über die Auflassung mancher Anschauungen im Buche, wie sie neuerdings von R. Smend in seinem ,,Lehrb. d. alttestam. Religionsgeschichte“ vertreten wird, mit dem gen. Gelehrten hie und da zu rechten; doch ist hier nicht der Platz dafür. Manches wird aus meinen exegetischen Ausfdhrungen her vergehen; Anderes hoffe ich nächstens an anderer Stelle, vielleicht in einem zusammenliängenden Commentar über das Buch Hiob zu besprechen. Auch G. Bickell, d, Buch lob etc. Wien 1894 streift die Frage der Anlage des Buches nur flüchtig (S. 10). Allerdings ist das Buch kein Drama im modernen Sinne!? Wohl aber muss man bedenken, dass nicht nur im Prolog und Epilog, sondern auch im Haupttheil Handlung genug vorhanden ist; modern zugeschnitten ist Hiob nicht und will er auch nicht sein, da er ja nicht zum Amüsement, sondein zur religiösen Belehrung durch disputatoriseke Behandlung einer wichtigen theologischen Frage dient. Es ist ebenso ein Drama, wie das ,,Hohelied“, das Buch Esther, wie vielleicht auch die übrigen Bücher des 3. Tbeils des Kanons mit Aus- Schluss von Daniel, Esra I und II und Chronik derselben Gattung der Schriftstellerei zuzusehreibeu sind, das eine mit mehr, das andere mit weniger Handlung; denn Koheleth und bes. Sprüche sind akademische Lelirvorträge, belebt durch die Anrede ״meine Herren!“ (שמעל בנים — בכי). Dabei hat man aber gar nicht nöthig, die Elihureden als späteren Nachschub aufzufassen, weil weder im Uebergange vom Prolog zum Colloquium, noch im Epilog seiner gedacht wird. Denn wenn man sich der von mir vorgetragenen Auffassung anschliesst, dass der Verfasser des Buches dem Elihu, dessen Personalien er genau kennt, sehr nahe gestanden, so wird man es durchaus begreiflich, finden, dass er ihn nicht von Gott verurtheilen lässt. Sein Eintreten aber ist bei einem Drama durch cap. 32 Auf. (bes. das hierfür vielsagende לישבתל) vollauf gerechtfertigt.