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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1896-02-01 · Heft 5 (Februar 1896) · p. Seite 239

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
40 (1895-1896)
Issue
Heft 5 (Februar 1896)
Article
[Rezension]
Date
1896-02-01
Page
Seite 239 (sequence 9)
Language
German
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Besprechung. 239 1. Strophe und Antistr. über Damascus und Ghazza; 2. Strophe und Antistr. ־über Tjrus und Edom; 3. Strophe und Antistr. über Ammon und Moab. Zum Schluss nimmt der Chorführer wieder das Wort. — Die Propheten haben nach und nach ihre Chordichtungen in Eeden umgewandelt. Die zweicolnmnige Bede ist Ersatz für Strophe und Antistr. Die Dreitheilung der Rede ist erklärt durch ursprüngliche Strophe, Antistrophe und Epodos.— Dies bildet den Inhalt des Werkes unter obigem, vielverheissendem Titel; und das Werk hält, was der Titel verspricht, beinahe ganz. Eür Refer. endet der Hauptinhalt des Buches auf Seite 220, woseLbst die Betrachtung über griechische Chöre und die Chorhypothese« bei den Propheten beginnt. Nicht ohne Skepsis ging ich an das Studium des Werkes und der Texte; und diese Skepsis obwaltete noch, immer, nachdem schon ein gut Theil durch gearbeitet war. Aber schliesslieh drängte sich die Wahrheit der entdeckten Grundgesetze mit Macht auf, so dass der Zweifel zur TT eher zeugung reifte. Strophik, Respopsion, Concatenatio, Inclusio und deren Aus-und Weiterbildung in chronologischer Eolge sind endgiltig als Gesetze aufzunehmen und anzuerkennen. Es drängt sich aber die Frage auf: Sind diese Entdeckungen neu? Haben nicht schon vorher viele Forscher und Kenner semitischer und besonders alttestamentarischer Litteratur in den Werken der Propheten Strophengliederung und rednerische Figuren erkannt? Diese Frage muss wohl bejaht werden. Und doch ist und bleibt Mülles der unanfechtbare Entdecker dieser merkwürdigen Eiseheinungen; denn in dieser Weise, in dieser durchgreifenden und umfassenden Ast hat noch Niemand diese Dinge erfasst und nur ganz gelegentlich und vorübergehend wird hei manchen Exegeten leise auf ähnliche Thatsachen hinge wiesen. Wie kommt es aber, dass der Kenner der prophetischen Litteratus die Texte hundert Mal gelesen, mit Aufmerksamkeit und Genuss gelesen hat, im vollen Bewusstsein.poetische Werke vor sich zu haben und auch mit der sicheren Ueberzeugung, dass hier Kunstformen irgendwo vorhanden sind, ohne zu wissen, wo und wie diese vorhanden sind? Diese vorhandene Ueberzeugung, die gevvissermassen latent in jedem Kenner der behandelten Litteraturmasse□ vorhanden war, ist bei Müller frei geworden, ebenso wie die Kunstformen und Grundgesetze in den Dichtungswerken staken, ohne dass es Jemand wirklich merkte. Gerade dieser Umstand ist es, der Viele, auch gewiegte Bibelkennel־ mit unüberwindlicher Skepsis erfüllen muss, die sie zwingt, zu sagen: ״Das ist nichts Neues, das haben wir längst gewusst?‘ Die alte Geschichte vom Ei des Columbus! Für mich aber haben die M/schen Entdeckungen eine noch höhere Bedeutung, als die von ihm angegebene, auf die semitische Litteratur be- 8 eh rankte. Die entdeckten Grundgesetze scheinen mir überhaupt Grundgesetze aller Poesie zu sein; die Strophik im weitesten Wortsinne aLs einheitliche Gedankengruppe, die Responsion und Concatenatio bilden einen Theil des Grundcharakters jeder gehobenen Rede im Besonderen, jeder Rede cultivirter Völker im Allgemeinen, was M. seihst sagt. Wer sich eifrig mit dem Problem beschäftigt, wird finden, dass die entdeckten Gesetze in erster Linie für episch-rhetorische Dichtkunst göLten; in den Psalmen beispielsweise finden sie nur vereinzelt durchgreifende Bestätigung; die lyrische Poesie bietet wenig Gelegenheit zur Anwendung rhetorischer Kunstformen; im Drama hingegen spielt die Responsion uni

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