Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1896-02-01 · Heft 5 (Februar 1896) · p. Seite 238

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
40 (1895-1896)
Issue
Heft 5 (Februar 1896)
Article
[Rezension]
Date
1896-02-01
Page
Seite 238 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2829132-2829682-2829688-2879723--27004-2879779
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

238 Besprechung. der Prophetie.“ Zunächst wird auf die oben besprochenen Kunstformen, in den Chören der griechischen Tragödien hingewiesen. M. ist der Ansicht: Eine glückliche Verbindung semitischen Geistes und griechisehen Formensinnes habe die Wechselgesänge gezeugt. Es steht mir nicht zu, darüber eine Meinung zu äusaern. Mit Geist und Scharfsinn sucht M. seine Behauptung zu beweisen. Ja, er geht so weit, zu sagen: ,,In den Wechselgesängen der Chöre liegen uns die herrlichen Ueberreste semitischer Poesie durch griechischen Formensinn geklärt vor“; eine Stütze für diese Ansicht sei der Clior in den ״Phömkerinnen“ des Euripides, welches Stück seinen Titel von dem Chor pliönikischer Jungfrauen hat, der in Theben erscheint: Der Chor: Uns hat Phönike’s Land erzeugt und gross genährt; Agenor’s Enkel sandten uns als Erstlinge Aus ihrer Kriegesbeute her, für Delphi’s Gott. Geleiten woLlt* uns Oedipus* glorreicher Sohn, Zu PhÖhosJ hehrem Tempel und Orakelort. Jokaste, die den Chor hört, spricht: Ihr Mädchen, drinnen im Palast vernahm mein Ohr Phönikerlaufce, Und heraus, zitternd vor Alter, wankt mein matter Schritt. An einer anderen Stelle ist folgender Wechselgesang: ,Tyros Meere verlassend kam Ich dem pythischen Gott bestimmt, Aus phönikischem Eiland, In Apollon’s heiligem Dienst, Unter seines Parnassos schneereichen Gipfeln zu wohnen: Auserkoren von meiner Stadt Kam ich, Loxias Dienst geweiht, Zum Kadmeiergebiete, Zu Agenor’s hehrem Geschlecht, Her zu Lais’ Mauern, den Mir verwandten gesendet. In diesen Versen sieht M. die Thatsaohe, dass phönikische Jungfraueil aus Tyros geschickt worden sind, um den Gottesdienst im Apollo־ tempel zu Delphi zu leiten. Mit dem Gotte Apollo, der einige Beziehungen zu Semiten gehabt hat, und seinem Cult sind semitische Wechselgesänge zuerst in die Tempel und dann in die Litteratur eingezogen. Die Annahme, dass der griechische Wechselgesang mit Strophe und Antistrophe semitische Entlehnung sei, führt M. auf die kühne Hypothese, dass die älteste Form der Prophetie als Chöre mit Strophe und A ntistrophe zu denken sei. M. ist der festen Ueberzeugung, dass die prophetische Strophe aus dem Chore her vorgegangen sei. Er findet diese Thatsacbe angedeutet in I. Sam. Cap. 10 und 19, 20 ff.; ja noch mehr, er findet Beste von Wechselgesang in Strophe und Antistrophe in Prophetien erhalten bei Arnos, Cap. 1 bis 2. ,,Der Prophet aus Juda ist nicht allein in dem königlichen Tempel BetePs aufgetreten, sondern mit einer Jüngerschaar, welche den Chor bildete. Er, der Chorführer begann: Und er sprach: J. schreit von Zion her, Und aus Jerusalem lässt er seine Stimme erschallen, Und es trauern die Triften der Hirten, Und es verdorrt das Haupt des Karmels. Darauf folgte der Wechselgesang des Chores:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.