Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 40 (1895-1896)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1896)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1896-02-01
- Page
- Seite 234 (sequence 4)
- Language
- German
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234 Besprechung- Ergänzung und Gegenstück der Eesponsion insofern, als sie die strophiisehen Organismen miteinander durch ein gedankliches und formales Band vereinigt, sie führt von der einen Gedanken Sphäre in die andere über. Bildet sie also die Verbindung zweier Strophen, so ist die Inclusio die Grenze und Absperrung der danebenstehenden Organismen, Alle (brei Kunstformen, Eesponsion, Concatenatio und Inclusio (selbstverständlieh in den Strophen) wechseln fortwährend miteinander. Die Concatenatio findet sich in den Keilschriften (babylon. Schöpfungsepos), bei Jesaia (z. B. Cap. 1, woselbst auch Inclusio und Eesponsion Cap. 5). Bei Micha lassen sich die Inclusio und Concatenatio nicht nachweisen, auch bei Jeremia nicht in den von Micha erlernten, dreicolumnig gebauten Eeden; selten sind die beiden letztgenannten Kunstformen bei Zephania, Habakuk, Ezechiel und Deuterojesaia. — Häufig sind sie im Koran. Die Strophik, die allgemeinste Kunstform, welche Müller entdeckt,, findet sich in allen herangezogenen Litteraturmassen. Ihre Genesis ist klar. ,,Jede grosse litterarische Schöpfung, sei sie nun epischer, lyrischer oder rhetorischer Art, muss in grössere oder kleinere Abschnitte getheilt werden und diese sind wieder in Absätze gegliedert . . . Selbstverständlich muss die Strophe einen Gedanken zum Ausdruck bringen. Nach Möglichkeit werden die Einheiten nach Eorm und Umfang und innerer Beschaffenheit möglichst ähnlich gestaltet (Eesponsion). Gedankeneinschnitte allein sind aber keine ausreichenden Beweise für strophische Gliederung; dazu muss nachweisbarer, regelmässiger Bau kommen; und das ist in allen behandelten semitischen L itteraturgebieten der Fall. Die drei Völker, in deren Litteraturen sich diese Grundgesetze feststellen lassen, sind Semiten. Von einer Entlehnung kann nach Müller nicht die Eede sein. Aber auch die Annahme, dass sie vollständig selbstständig entstanden, scheint Müller unzulässig; es bleibt also nur die Möglichkeit, anzunehmen: dass sie alle auf einen gemeinschaftlichen ursemitischen Ursprung zurückgehen und dass diese Grundgesetze schon in ursem itis eher Zeit die religiöse Poesie beherrscht haben. Triebe dieser ursemitiseben Dichtungsart findet Müller in den Bileamitischen Sprüchen (Num. 23—24) und in den Evangelien. — Für alle die besprochenen Thafcsachen werden vom Verfasser überaus zahlreiche Beispiele in Uebersetzungen und tiefeindringenden Erklärungen (Bd. I) und Orginaltexten (Bd. II) beigebraebt, welche strophisch gegliedert sind und die poetischen Figuren im Texte angedeutet zeigen. Es ist für den Leser dieser Besprechung nun nothig, dass für jede der besprochenen Kunstformen aus jeder Litteraturmasse wenigstens ein Beispiel angeführt werde, denn auf eine Wiedergabe von Exempeln für jedes Specificum und jeden der behandelten Autoren müssen wir hier billiger Weise Verzicht leisten. Die bündig mitgetbeilten Endresultate und Entdeckungen kann Jeder dann folgerichtig selbst anwenden und erwiesen sehen. Als Beispiele aus Keilschrifttexten (ich lasse den assyrischen Text bei Seite) möge angeführt sein die Prunkinschrift Sargon’s: Jene Stadt und jener Palast, kschur, der Vater der Götter, Im Glanze seines strahlenden Angesichts Gnädig blicke er sie an. Für ferne Tage, Ihre Erneuerung spreche er aus.