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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1896-02-01 · Heft 5 (Februar 1896) · p. Seite 233

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
40 (1895-1896)
Issue
Heft 5 (Februar 1896)
Article
[Rezension]
Date
1896-02-01
Page
Seite 233 (sequence 3)
Language
German
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k Besprechung. 233 niss zu den andern Gruppen eine abgeschlossene Einheit bildet. Unter Res ponsion versteht die classische Philologie die Correspondenz von Strophe und Antistrophe in den Chören der Dramen, welche nicht nur durch Metrum und Gliederung, sondern auch durch ähnlich oder gleichklingende Worte erzielt wird. Diese Responsion gilt auch für die semitische Poesie; ihr Ursprung liegt in dem paralielismus membrorum, der in seinen Rudimenten wohl erkannt wurde, aber nicht in seiner künstlerisch-vollendeten Ausbildung und Vollendung, StrophenbaaundEes ponsion also in diesem genannten Sinne sind nachweisbar in der Keilschriftlitteratur, im Koran und in den Propheten. Die Anwendung dieser poetischen Grundformen ist aber durchaus keine freie und willkürliche, sondern sie hat eine ebenso nachweisbare Geschichte und Entwicklung. Die Kraft und Schönheit der prophetischen Sprache wie ihr eigenthümlicher Reiz kommt durch Erkennung des Strophenbaues und der Responsion zum Bewusstsein des Lesers. Der Keim der letzteren liegt, wie erwähnt, im parall. membr. Was dieser im Verse, das ist die Responsion in der Strophe und in der Rede. Der formale Ausdruck der Beziehungen von zwei oder mehreren Strophen zu einander ist die Responsion. Der Gedanke sucht die Eorm nach zweierlei Richtungen umzugestalten, einerseits indem die Responsion nur theilweise, aber immer an gleicher Stelle, andererseits indem sie sich nicht in paralleler Weise, sondern durch Antithese und durch anklingende Worte zeigt. Diese Arten der Responsion sind zu finden in babylonischen Dichtungen, im Koran und hei den Propheten. Die ältesten Beispiele bietet Arnos. In Jesaia zeigt die Responsion vielfach antithetischen Charakter, auch bei Micha. Eine neueComhination brachte Zephanj a in dieResponsion dadurch, dass er zwei ungleichtheilige Strophen mit einander durch diese Kunstform verkettete. Micha ist der Erfinder der dreicolumnigen Rede; d. h. manche seiner Reden (z. B. Cap. 3) zerfällt in drei Columnen, ״drei gleich hohe Säulen von gleichen Capitälen, gleichen Mittelstücken und gleichen Basen. Die beiden Seitensäulen sind den Häuptern und Bürsten, die mittlere den Propheten gewidmet;“ eine jede dieser Columnen, welche schon der massoretische Text andeutet, zerfällt ihrerseits in drei Absätze (Strophen), die durch oben erwähnte poetische Kunstformen untereinander und parallel auch je eine Columne mifc der anderen verbunden sind. Jeremia bildet diese Erfindung des Micha künstlerisch aus (z. B. Cap. 30). Ezechiel zeigt, wie in seinem prophetischen Schaffen überhaupt, so auch in Bezug auf die Responsion grosse Mannigfaltigkeit. (Schwertlied Cap. 21.) — Deuterojesaia greift auf alte Muster zurück, Ezechiel verwendet die Responsion besonders dazu, um die einander respondirenden Theile auch gedanklich als Probier□ und Lösung, Räthsel nnd Deutung einander gegenüherzustellen; er ist ein ,,Räthseldichter“ (Ez. 21, 5). Deuterojesaia vermeidet das Gleichniss, weshalb seine Responsionen oft einfache Wiederholungen des früher Gesagten sind (Cap. 41). Dieselben Gesetze der Responsion sind auch im Koran von Müller entdeckt worden; als Muster gelten die Straflegenden in der 26. Sure. Ist die Strophik endgiltig nachgewiesen und Responsion an klaren Beispielen gezeigt, so wird auch eine andere durchgreifende Kunstform entdeckt und erwiesen. ,,Concatenatio und inclusio“. Erstere ist

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