Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 40 (1895-1896)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1896)
- Article
- Isachar Bär, gen. Berend Cohen, der Gründer der Klause in Hamburg, und seine Kinder
- Date
- 1896-02-01
- Page
- Seite 222 (sequence 3)
- Language
- German
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222 Isaehar Bär gen. Berend Cohen. wandten, die keine Fremde in das reiche und angesehene Hans den Fuss wollten setzen lassen, vergebens der Widerspruch R. Zebi Aschkenasfs, des Klausrabbiners von Altona, wie ich annehme, der keinerlei Möglichkeit, Berend Cohen des so feierlich gegebenen Wortes zu entbinden, zugeben mochte, es fanden sich andere Rabbiner, die den geltend gemachten Gründen zur Zurücknahme des Versprechens Kraft und Wirkung genug beimassen. Glückei ward von ihrem Pflegevater glänzend versorgt und nachmals mit einem Sohne Jost Liebmann/s in Berlin verheirathet. Berend selber zögerte nicht, einer Tochter Tewele Schiffs in Hamburg die Hand zu reichen, die ihm vor Ablauf eines Jahres einen Sohn gebar, dem der Name seines Wormser Grossvaters Juda Seligmann beigelegt wurde. Berend Cohen war ein Mann in vorgerückten Jahren, als er seine zweite Ehe einging. Wie aus dem grünen Buche von Worms hervorgeht, war ihm daselbst bereits am 16. Octoher 1658 eine Schwester, die an Simeon Cohen verheirathete SchÖnlein oder Scheichen, verstorben1). Sein Vater Juda Seligmann, der Sohn Jacob Josef Cohen’s, muss nach dem ihm im Memorbuche von Worms beigelegten Titel ein rabbinisch gelehrter Mann gewesen sein2). Wie zahlreiche seiner Heimatskinder, wie Samuel Oppenheimer, Samson Wertheimer, die Brüder Sinzheim, um nur die bedeutendsten zu nennen, ihr Glück in der Fremde begründet haben und durch erfolgreiche geschäftliehe Unternehmungen zu fürstlichen Reichthtimern gelangten, so scheint auch Berend Cohen erst nach seiner Uebersiedelung von Worms zu jener Stufe des Vermögens sich erhoben zu haben, die ihm die Uebung so reicher Wolilthaten eimöglichte. Jedenfalls war auch er bereits ein erbangesessenes, in Ehren und Würden befestigtes Mitglied der Hamburger Gemeinde, als daheim seine Vaterstadt Dienstag am 31. Mai 1689ז von den Franzosen in Brand gesteckt, in Asche sank3). Es war ein kurzes Glück, das Berend Cohen in seiner zweiten Ehe beschieden war. Kaum anderthalb Jahre hatte die Verbindung gedauert, Juda Seligmann zählte noch nicht sechs Monate, als seine junge Mutter von einem vorzeitigen Tode dahingerafft wurde4). Aber das früh verwaiste Kind erhielt in seiner Tante Genendel, einer anderen Tochter Tewele Schiffs, eine zweite Mutter. Ans der Verbindung mit ihr, der *) קב? על יד Jahrgang IV, 17 zu p. 18 Z. 14. 2) Ib. 111, 18, Z. 11. 3) D. Kaufmann, B. Jair Chajjim Bacharach 72 n. 4. Orlückel HameLn’s Memoiren p. 262.