Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 40 (1895-1896)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1896)
- Article
- Isachar Bär, gen. Berend Cohen, der Gründer der Klause in Hamburg, und seine Kinder
- Date
- 1896-02-01
- Page
- Seite 221 (sequence 2)
- Language
- German
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Isachar Bär gen. Berend Cohen. 221 über das Weichbild seiner Stadt oder der drei Gemeinden Altona, Hamburg und Wandsbeck hinausgedrungen sein mochte. Ein makelloser Charakter, Frömmigkeit, Gelehrsamkeit und wachsende Glücksgüter hatten ihn früh zu einem der angesehensten Männer seiner neuen Heimat erhoben. Die Wohlthaten, die von seinem Hause ausgingen, in dem in glücklichstem Einvernehmen mit dem Gatten Bella, eine Verwandte Glückel’s von Hameln, neben ihm waltete, wuchsen mit den Beichthümexn, die ein freundliches Geschick aus seinem Füllhorn ihm spendete; Kinder von .Verwandten, da eigene dem Ehepaare Behrend und Bella Cohen versagt geblieben waren, bevölkerten das Haus. An Liebe und Opferwilligkeit nahmen es die Pflegeeltern mit den zärtlichsten und hingehendsten Eltern auf. Seligmann und Gliickel Cohen, Rüben Rothschild kiessen die Pflegekinder, denen die unbegrenzte Fürsorge dieses treuen Ehepaares zu Theil wurde. Seligmann war an eine Tochter Hirz Hannnover’s, wie ich vermutke, eine Enkelin des hannoverischen Kammeragenten Leffmann Behrensi), verheirathet worden und nach Hannover gezogen. Ruhen Rothschild dagegen war in Hamburg am Wohnorte der Pflegeeltern zurückgeblieben, deren Liebe sich jetzt ganz und ungetheilt auf das noch unmündige Kind, Ruhen’s Schwester, Glückei vereinigte. Da geschah es um das Jahr 1687, dass unheilbares Siechthum die Gattin Berend Cohen’s auf’s Krankenlager warf. Bella stand erst in ihrem 51. Jahre, aber sie fühlte es, dass ihr Ende nahe war. In ihrer fürsorglichen Liebe den verlassenen Gatten und das verwaiste Pflegekind zugleich umspannend, hatte sie nur noch den einen Wunsch, dass Berend Cohen seiner Richte Glückei zum Ehebunde für’s Leben die Hand reichen solle. Sie konnte nicht sterben, ehe ihr diese Zusage geleistet wurde und bevor sie noch einmal ihren Pflegesohn Seligmann aus Hannover gesehen hatte. In Gegenwart Josef Harn ein’s und Samuel Orgel’s gab der verzweifelte Gatte unter Handschlag das Versprechen, dass er nach dem Wunsche seiner sterbenden Gattin Gliickel, Phöbus Cohen’s Tochter, heimführen werde. Er hatte unter dem Zwange des Augenblicks über die mannigfachen Collisionen hinweggesehen, in die ihn die unfreiwillige Zusage bringen würde. Bald aber stellte sich der Altersunterschied, das väterliche Verkältniss, in dem er bisher zu dem Mädchen gestanden, das halb noch ein Kind war, zwischen sein Versprechen und dessen Erfüllung. Vergebens war alles Drängen der Ver-!) Memoiren ed. Kaufmann p. 257 Ü•