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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1896-01-01 · Heft 4 (Januar 1896) · p. Seite 186

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
40 (1895-1896)
Issue
Heft 4 (Januar 1896)
Article
[Rezension]
Date
1896-01-01
Page
Seite 186 (sequence 2)
Language
German
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186 Besprechungen. Schriftthum nur als den Haufen Spreu betrachtet, in dem es nur hier und da auch ein Korn von Geschichte aufzulesen giebt, der bleibe lieber davon! Zum Kern der Persönlichkeit fährt hier allein die Durchdringung ihrer Urtheile und Lehrmethode; ein geschichtliches Bild kann nur das Nachdenken des vor uns Gedachten und Geleisteten liefern. Nirgend straft sich die Oberflächlichkeit so empfindlich wie hier, v\r0 von der Oberfläche das Wenigste zu holen ist und nur tiefes, mühsames Ackern eine Ernte verheisst. Aber auch die Förderung der Thatsachen, die Feststellung der Namen und Daten kann hier nur bei ernster Vertiefung in den Gegenstand, nicht bei der blossen Notizenspürerei zu richtigen und zuverlässigen Ergebnissen gelangen. Der Segen der redlieben Arbeit tritt denn auch in diesem ersten Versuche eines Lebens־ bildes B. Meir’s von Eothenburg nicht nur in der Auffassung der lehensvollen quellenden Persönlichkeit, sondern in der Hinwegräumung falscher Angaben, forterbender Irrthümer vielfach zu Tage. Es sind eben nicht zufällig aufgelesene Wahrnehmungen, sondern sorgfältig abgewogene, aus durchdachten Vorlagen abgeleitete Schlüsse, die uns hier vorgelegt werden. Man kann daher auch nur wünschen, dass der Verfasser uns noch mehr und vor Allem ein erschöpfendes, mit Benutzung alLer einzelnen Angaben liebevoll vereinigtes Bild von der Lebensführung dieser hohen religiös-sittlichen Persönlichkeit geliefert hätte. Zu den verdienstlichen Seiten des Buches gehört, um in die an feinen Beobachtungen reichen Einzelheiten einzutreten, gleich der erste Abschnitt, in dem mit dem albernen Märchen von dem Hochmutli E. MeiEs gegen seinen Vater E. Baruch aufgeräint wird. Die in der Peinlichkeit des jüdischen Moralgesetzes und seiner hohen den Lehrer noch über den Vater stellenden Ehrfurcht wurzelnde Erzählung findet, was B. nicht bemerkt hat, ihr Gegenbild an einer unter den spanischen Juden von Ascheri überlieferten Gepflogenheit. Der Schüler R. Me'ir’s von Eothenburg soll sich nämlich, wie er es vielleicht von E. Baruch in Worms gesehen haben mag, in Toledo vor seinem überaus geschätzten und gelehrten Sohne B. Jechiel erhoben haben, so oft dieser nach ihm das Gotteshaus betrat. So berichtet uns Gavison in seinem עומר השכחה f. 137 d: והרא״ש דל היו לו ד׳ בכים הא' רבי' יחיאל דל ואמרו כי היה הרא״ש דל עומד מבכיו כשיכנס לב״ה כ" היה אומר אביו שהוא יותר הכם ממנו. Erwähnung hätte auch noch die Abhandlung verdient, die zuletzt Naftali Leyi in London dem Lehrstück von der Ehrfurcht gegen die Eltern in seinem Werke שגי המסות gewidmet hat. In Betreff der Literarhistorischen Angaben wäre eine tiefere Berücksichtigung der Werke Zunzens, der hier im Einzelnen übrigens entscheidend berichtigt wird, zu wünschen gewesen. So vermut!et•, was zu p. 17 n. 3 zu bemerken war, Znnz, Literaturgeschichte der synagogaleu Poesie 487 in dem Dichter Joseph b. Meie den Oheim E. Meir’s von Eothenburg. Ebendaselbst 621 ist den Hiskia des Mittelalters eine erschöpfende Zusammenstellung gewidmet, was p. 18 n. 1 übergangen wird. P, 20 n. 4 war in Betreff Aschers an Zunz 622 n. 31 zu erinnern. Elieser b. Ephraim p. 33 n. 1 lernen wir ib. 362 als Selickadichter kennen. Auch sonst wäre eine ausgiebigere Benutzung der neueren wissen״ schaftlichen Litteratur dem Buche zu Gute gekommen. P. 23 n. 1 ist דרב יוסף קלצון Josef aus Clisson, wie bereits B. Beer in Frankel’s Zeitschrift III, 476 bemerkt hat; vgl. Hebr. Bibi. 18, VI uud Revue des etudes juives 6, 178. Die Vermuthung Chalons, die S. Kohn, Mardecbai b. HilLel 158 irrthümlich in meinem Namen anfiilirt, habe ich ihm aus Delitzsch’s Katalog der Leipziger Rathsbibliotliek p. 277 angemerkt.

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