Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 40 (1895-1896)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1895)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1895-12-01
- Page
- Seite 140 (sequence 3)
- Language
- German
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140 Besprechungen. behaupten möchte, sondern, den Pharisäern und Schriftgelehrten zugeworfen. Nicht nur die Analogie mit unzähligen Stellen in den Evangelien, sondern der Inhalt selbst der Weherufe macht die Annahme unmöglich, als ob der Tadel den Priestern gälte. Die Priester sassen doch nicht auf dem Stuhle Mosis und waren nicht Lehrer, welche dem Volk Bürden auflegten (2—4): auch strebten sie nicht nach dem Titel Rabbi (7. 9. 10). Wenn schliesslich das Verzehnten van Minze, Till und Kümmel als Heuchelei gerügt wird (23), so können darunter nur die Pharisäer gemeint sein, denn die Priester gaben überhaupt keinen Zehnt. Man darf es auch nicht so auslegen, dass die Priester Minze, Till und Kümmel durch Andere verzehnten liessen, um den Zehat zu bekommen, denn in diesem FalLe müsste der Egoismus der Priester, aber nicht deren Scheinheiligkeit getadelt werden. Wir sehen also, dass zur Zeit Hillel's und Jesu nicht die Priester, sondern die Pharisäer Tempel und Synagoge beherrschten. Auch unter Agrippa I. stand das pharisäische Synhedrion im höchsten Ansehen. V011 einer Veränderung in der Lage der Pharisäer unter Agrippa II. wissen die Quellen Nichts zu erzählen, Es kann somit von einem Umschwünge unter diesem letzten jüdischen Könige nicht die Bede sein. Wohl griffen die Priester häufig zu weit, und die Schriftgelehrten fühlten sieh veranlasst, gegen deren unberechtigten Egoismus Protest einzulegen; aber als Parteien standen sich Schriftgelekrte und eigennützige Priester nie entgegen. Schon zur Zeit der Makkabäer rissen die Priester den Zehnt der Leviten an sich1). Dasselbe that auch Eleasar b. Asarja, weshalb er von Akiba zurechtgewiesen wurde2). So mag es sich auch in deu letzten Dec-ennien des Jerusalemisehen Tempels zugetragen haben. Wir haben aber keinen Grund, von einem Siege oder einer Niederlage der Pharisäer im Kampfe mit den egoistischen Priestern zu sprechen. — Die Schrift Büchler’s Ist reich an Material und geistreichen Beobachtungen. Besonders lehrreich sind die Untersuchungen über die Schulen in Jabne und Lydda, wie auch über das soeben berührte Verhältniss der Lehrer zu den* Priestern. Anregend sind selbst jene Forschungen, deren Resultate nicht ganz sicher stehen. Ich lasse nun einige Bemerkungen nach der Seitenzahl des Werkes folgen. S. 14. In Tosephta Sota VII, 15 sind drei verschiedene Belationen zusammengetragen. Die eine, mit אותו היום beginnend, spricht vom ד.רןהל-Feste 1m Allgemeinen; בו ביום in der zweiten bezieht sich auf den speciellen Fall des Tarfon; משם כתחייבו in der dritten Belation bezieht sieh auf die bekannte Geschichte mit Agrippa. Diese drei Belationen stehen durch das הקד,ל-Fest in Beziehung zu einander, setzen aber durchaus nicht eine und dieselbe Zeit der Geschehnisse voraus. Tarfon kann im letzten ־הקהלFeste den Hohenpriester vortragen gehört haben; viel früher kann Agrippa I. Deuteronomium gelesen haben, Ueberhaupt ist für Tarfon nur Sifre Numeri § 75 massgebend. Akiba fragte ihn: vielleicht war es an einem 3הקהל}, Neujahr, Versöhnungatag und Jobeljahr? Tarfon antwortet: so ist es. Daraus ist nicht einmal ersichtlich, ob Tarfon seine Beobachtung bei einer 11ם31ו&018^הקהל^^ gemacht habe. Freilich hat es der Redactor der 1) Sota 47 b. 2) Jebamot 85 b, vgl. Jeruschalmi מעשר שני "V", 5. 3) In ־unseren Cod. fehlt שמא בהקהל. Mein handschriftlicher Sifre hat wie der Jalkut: אמר לו ר׳ שמא בהקהל ראית שבעלי מימיו כשרים(או) בהקהל יום הביפוי־ים וביובל.