Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 40 (1895-1896)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1895)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1895-12-01
- Page
- Seite 139 (sequence 2)
- Language
- German
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Besprechungen. 139 unter den. Lehrern der Schule zu Lydda, die früher im Tempel als Priester thätig waren. Auf Grund von Aussagen solcher Lehrer und ihrer Schüler gelangt B. zu dem Resultate, dass die Pharisäer im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung hauptsächlich mit den höheren Priestern zu kämpfen hatten. Diese waren ״weniger um die Befolgung der Gesetze als nm eigene Yortheile bekümmert; sie unterdrückten ihre Untergeordneten, eigneten sich deren Eigenthum an, und rissen an sich Aemter, welche von Rechtswegen Leviten und Laien zukaxnen. Sie vernachliissigten den Gottesdienst und untergruben die Sittlichkeit. Lange kämpften die Pharisäer und Schriftgelehrten dagegen vergebens, bis es ihnen endlich gelang, die Herrschaft der priesterlichen Despoten zu brechen und die Leitung des Cultus in ihre Hände zu bekommen. Der Umschwung begann gegen 6L n. Chr. mit dem Sturze des zadducäischen Hohenpriesters Anan b. Anan; zum vollen Siege gelangten die Pharisäer im Jahre 63—64. In diesem Jahre regelten sie den Gottesdienst, setzten Leviten wie Laien in ihre Rechte ein und trafen Vorkehrungen, um einer -Wiederholung der abgeschafften Zustände vorzuheugen. Die Pharisäer installirten einen Segan, der an der Seite des Hohenpriesters darauf zu sehen hatte, dass dieser die pharisäischen Vorschriften befolge (S. 109); sie Hessen den Sündenbock von einem Laien, und nicht wie bis dahin, von einem Priester abführen (152); auch schoben sie in das Schema- Gebet und in den Dienst des Versöhnungstages den Satz ברוך שם כבוד מלכותו לעולם ועד ein, ״um dem Liebäugeln der höheren Priesterschaft mit den Römern entgegen zu wirken“ (177). Sie begingen in einem ־ד,קהלJahre in Gegenwart der ganzen Nation das von ihnen wieder eingeführte Pest des Wasserschöpfens mit besonderem Pomp und zwangen Agrippa II., einen Abschnitt aus der Thora persönlich vorzutragen (15). Ueberhaupt sollen sich die Eeiertage jenes Jahres zu SLegesfesten der Pharisäer gestaltet haben. Diese und andere neuen oder erneuerten Einrichtungen werden von der Mischna in den Tractaten Joma, Sukka, Pessachim, Schekalim, Sota nnd Para eingehend geschildert (16). Natürlich mussten die neuen Vorkehrungen eine Reaction von Seiten der znrückgedrangten Priester hervorrufen; sie griffen zur Eeder und schrieben unter dem Namen alter Autoritäten Werke, in denen sie ihr früheres Prestige und ihre früheren Rechte zu rehabilitiren suchten. Zu diesen Schriften zählt B. das Jubiläen-Buch und die Assumptio Mosi. Auch Pseudo Jonathan soll für die alterirten Rechte der Priester eintreten. Die Auffassung Büchler’s vom Umschwünge im Jahre 68—64 ist genial gedacht, und auf den ersten Blick ansprechend. "Wir bekommen durch sie die verschiedensten Thatsachen unter einem Gesichtspunkte gruppirt. Aber näher angesehen, tauchen berechtigte Zweifel auf. Es ist unwahrscheinlich, dass alle oben erwähnten Riten und Einrichtungen in einem und demselben Jahre entstanden sein sollten. Ganz ausgeschlossen ist es, dass der Umschwung im Jahre 63—64 stattgefunden hätte. Lange vor 63 waren die Pharisäer schon am Ruder, Zur Zeit Hillel’s lag die Leitung des Cultus in ihren Händen, und ihnen wurden zur Entscheidung selbst solche Prägen vorgelegt, welche den Tempel und die Priester berührten (Passah-Opfer am Sabbath). Ebenso sicher ist es, dass die Priester zur Zeit Jesu auf das religiöse Leben keinen Einfluss ausübten. Jesus eifert in Tempel und Synagoge gegen die Scheinheiligkeit der Pharisäer als ״blinde Blinden-Leiter“ (Matth. 15, 14), ohne der Priester auch nur ein einziges Mal tadelnd zu gedenken. Die Weherufe in Matth. 23 sind sicher nicht den Priestern, wie B. S. 80