Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 40 (1895-1896)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1895)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1895-12-01
- Page
- Seite 136 (sequence 3)
- Language
- German
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136 Besprechungen, Armailius eher für die Ableitung des Wortes von Agramainyus zu verwertheni). Auch B. spricht p. 92 n. 1 von den in den jüdischen Quellen über die Entstehung des Armaljus enthaltenen Sagen als von ,,jüdischen Phantasieen‘Es ist ihm unbekannt geblieben, dass Güdemann, Geschichte des Erziehungswesens und der Cultur der Juden in Italien p. 332 f. den Ursprung dieses Zuges der Sage vom Antichrist in der Vergil-Sage nachgewiesen hat. Ich gehe aber weiter und meine, dass die Entlehnung bei den Juden nicht indirect aus der Vergil-Sage, sondern bereits aas deren in der Sage vom Antichrist einst sicherlich vorhandenen Anwendung genommen ist. Der Antichrist ist Zug um Zug Christus5 Gegenbild. (Seiner Geburt von der Jungfrau musste denn auch beim Antichrist ein Gegenstück entsprechen. Da bot sich die Sage von der steinernen Buhldirne, einem Teufels werke des Hexenmeisters Vergil, aas deren Leibe eine generatio aequivoca im schlechtesten Sinne, der Antichrist, der aus dem Stein gesprungene Armillus hervorgegangen ist. Noch hat sich in christlichen Quellen diese Verquickung der Vergilmit der Antichrist-Sage nicht auffinden lassen, aber an Zeugnissen für die ähnlichen Vorstellungen über seine Entstehung fehlt es keineswegs. So schreibt, wie B. 92 ausgehoben hat, bereits 954 der Mönch Adso: nascetur autem ex patris et matris copulatione, sicut et alii homines, non ut quidam fabulantur de sola virgine. Vgl. auch die übrigen Anführungen daselbst. Eine Sammlung aller über die Quelle der Agada zerstreuten eschatologischen Angaben, vor Allem aber eine Neubearbeitung der messianisehen Midraschim, aus den Handschriften wird vorangehen müssen, bevor eine erschöpfende kritische Behandlung der jüdischen Vorstellungen von den Vorläufern des Messias möglich sein wird. Vgl. z. B. über den hier so wichtigen Wajoscha-Midrasch M. Steinschneider Hebr. Bibliographie XIV (1874), 45. Besondere Aufmerksamkeit verdienen auch die diesem Gegenstände gewidmeten Gutachten des Gaon E. Haja, deren Text nach Handschriften berichtigt (8. טעם וקנים ed. Aschkenasi p. 50 ff.), von Neuem vorgelegt werden müsste. Vgl. die Ergänzung des bei Mose Tachau fehlenden Blattes, die ich aus Abraham b. Asriel herbeigebracht habe (Mtschr. 31, 408 ff. 565 f.): Ohne mich in Einzelheiten verlieren zu wollen, möchte ich nur die Schreibung des Messiasnamens Nehemia b. Usiel bei B. 68 berichtigen. Nicht Usiel oder Husiel, wie es bei W ünsche, die Leiden des Messias p. 112 heisst, sondern Chuschiel ist der Name zu schreiben, der auch zu den von Messiasbezeichnungen hergenommenen Eigennamen hinzuzurechnen ist, über die Bacher in einer schönen Notiz Eevue des etudes juives XXVIII, 287 ff. gehandelt hat. Von hier hätte B. auch!fernen können, dass Menaehem nicht ,,eine Gestalt ist, die etwa vom 5. oder 6. Jahrhundert erst nachweisbar ist“ (p. 170). Die Tödtung des Messias b. Joseph durch Armaljus (p. 149 n. 3) wird von den Gaonen Saadja in der bekannten Stelle seines Emunotk ('VIII; ed. Slucky p. 122) und Haja (a. a. 0. 59) ausdrücklich und übereinstimmend angegeben. Wie vorsichtig bei der Aufsuchung mythologischer Spuren verfahren werden nuss, zeigt p. 164: ״ln einer unserer alterthümlichsten Quellen heisst ג) Aus einem von Juda di Blaues 1528 copirten Briefe erfahren wir sogar, dass der Fürst Chananel vom Stamme Rüben den Beinamen Armilus fiilirte, weil er mit diesem Krieg geführt hatte, wozu der Schreiber des Briefes ein וד״ל sap. sat. hinzugefügt, s. קבץ על 1 ידv, 34: חננאל המכונה ארמילום על זה נקרא שמו ארמילום כי היה נלו] מלחמה עם ארפדלום. David Kaufmann.