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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1895-12-01 · Heft 3 (Dezember 1895) · p. Seite 135

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
40 (1895-1896)
Issue
Heft 3 (Dezember 1895)
Article
[Rezension]
Date
1895-12-01
Page
Seite 135 (sequence 2)
Language
German
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Besprechungen. 135 und Schuld der jüdischen Wissenschaft bildet. Auf Grund von Schöttgen und Wünsche ist die schwierige Aufgabe nicht zu lösen. In dem von so viel Fleiss und Sachkenntnis zeugenden ersten Abschnitte von B.*s Buche, der die Quellenscheidung (p. 1—74) darlegt, kann das den jüdischen Quellen gewidmete (p. 59—64) Capitel am wenigsten befriedigen. So sind, um das Bezeichnendste vorwegzunehmen, Zunzens Gottesdienstliehe Vorträge mit ihren alle Quellen der Messiassagen behandelnden Forschungen und selbst die den messianischen Schriften des frühen Mittelalters gewidmete n. 6 seiner Literaturgeschichte der synagogalen Poesie (p. 603—606) in dem Buche nicht genannt und noch weniger zu Bathe gezogen. Die genauere Kenntnis der jüdischen Quellen wäre aber auch dem Gange der Untersuchung und dem sonst so werthvollen zweiten Theile des Werkes, der Geschichte der Tradition vom Antichrist, und der fast chemisch sorgfältigen Fällung ihrer einzelnen Bestandtheile und Züge zu Gute gekommen. Bousset erblickt die ältere Gestalt der Sage, die im Judenthum sich erhalten habe, in der Feindseligkeit gegen das römische Reich. In dem Armilus der jüdischen Quellen glaubt er gleichsam das Siegel dieses Geheimnisses zu erkennen; Romulus, der Vertreter dieser gehasstesten aller Mächte, ist der Antichrist selbst (p. 66 f.). Aber die Gleichung Romulus Armilus ist noch immer mehr als zweifeihaft. Wie, wenn der Böse selbst, das Piincip des Schlechten, der Erbfeind der Erlösung, der in dem tiefreligiösen Gedanken der jüdischen Eschatologie nicht zu missende Hinderer der Erhebung des Menschengeschlechts, wie wenn Ahriman selber, der alte Agramanyus hinter dem Armaljus der jüdischen Sage sich versteckte? Ich habe diese Vermuthung nicht exfunden. Nehemias Brüll hat sie inKobak’s Jeschurun VII (1871), 11, und auch vorher bereits auf gestellt. Unabhängig von Brüll und unter Hinweis auf den mythischen Tyrannen der Araber Armälinas hat W. Bacher in der Zeitschrift der Deutschen morgenländischen Gesellschaft XXVIII (1874), 31 n. 5 sie vertreten. Zuletzt hat Kohut, Aruch I, 291 ff. sie angenommen und durch neue Argumente unterstützt. Die Schreibung der alten Handschriften ארמלגוס und ארמליוס beweist hinreichend, dass Armillus in jedem Falle eine Verballhornung des dunklen Wortes darstellt. An Romulus und Remus mit Zunz G. V. 2952 n. a. oder an Romulus allein zu denken, verbietet schon die Thatsache, dass Romulus in jüdischen Quellen correct 8) רומילום. Brüll a. a. 0. 8) geschrieben wird. Romulus als Repräsentant des Römerreiches ist in diesem Litteraturkreise, auch sachlieh betrachtet, ohne Beispiel. Nimmt man hinzu, dass die alten Namen des Antichrists, die B. im avO-pcoTios ׳cvjs &vo!Eac u. s. w., vor Allem abef in Beliar בליעל p. 99—101 aufgewiesen hat, zu diesem Siegel aller Bosheit auf Erden, zu Ahriman wie stammelnde Ansätze zum richtigen Worte sieh verhalten, so wird man die durch die Form des Wortes wie durch die Sache widerlegte Gleichsetzung von Armaljus und Romulus leichter aufgeben. Nicht unerheblich scheint mir auch für die persische Deutung die Thatsache zu sprechen, dass auch der Antichrist der Araber Dadschschäl דגלא der Falsche schlechthin, der Böse genannt wird (vgl. die falsche Erklärung bei J. B. Riiling, Beiträge zur Esehatoiogie des Islam, Leipzig 1895, p. 44 ff.). Die lateinische Glosse im Methodiusbucbe: Romulus, qui et Armaeleus dictus, die auch Brüll a. a. 0, bereits anführt und die nach Bousset p. 33 n. 2 die Gleichsetzung von Armillus und Romulus bestätigt, ist dadurch, dass sie im griechischen Texte sieh nicht findet, an sich schon verdächtig, in jedem Falle aber durch das merkwürdige Zeugniss für die Aussprache Armaeleus ■=

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