Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 40 (1895-1896)
- Issue
- Heft 2 (November 1895)
- Article
- Die jüdischen Friedhöfe Ofens
- Date
- 1895-11-01
- Page
- Seite 87 (sequence 4)
- Language
- German
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Die jüdischen Friedhöfe Ofens. 87 Burg sich ansiede]te, die Ueberlieferung bestanden, dass diese von" den ältesten Königen Ungarns geschützte Gemeinde als Wahrzeichen ihres Alters auf Grabsteine von 500—600 Jahren hinweisen könne. Die Aensserung in dem von Dr. Alexander Stichler im Ungarischen Landesarcbiv aufgefundenen Actenstücke ist merkwürdig genug, um vollinhaltlich hierher gesetzt zu werden: ״Es hatt aus angebohrner allerhöchster Clemenz dieses durchlauchtes Ertzhaus von Oesterreich bey glorwürdigster Eroberung der aus Ottomannischen Porthen Joch vorhin darunter gewesten Königl. haubt und Residenz Statt Ofen vor die arme Judenschafft, als derer Vorfahren von denen durch- Richtigsten und glohrwiirdigsten Königen in Hungaren eine gantze Judengassen und Synagog inngehabt, wessen. Wahrzeichen nebst denen Heiisern die Grabschrifften in Stein gehauen von 500 bis 600 Jahren vorhanden seyndt; die allerhöchste gnade gehabt, dass man aldortten dieselbe unterm Schutz Einer hoch Löbl. KayL Hoff Cammer, gegen reichung Jährl. Schutz und tolleranz geldern, 50 fl. von jeden handels gewelb bey geniessung und treib ung der Jüdisch-Mosaischen gesaz oder Gottes dienstes tolleriret, darfür erstatten wür in tieffester Submission allerunterthänigsten Dankh.u Ist es nun derselbe Friedhof, dessen Areal jetzt sicher festgestellt ist, auf den unser Acten stück hinweist? Soll noch 1713 oder zum Mindesten bei der Einnahme Ofens 1686 der Friedhof der jüdischen Gemeinde an. derselben Stelle sich befunden haben, an der er in der Arpadenzeit angelegt worden war? Unwahrscheinlich, wie diese Annahme ist, wird sie auch noch durch eine Erwägung erschüttert, welche die folgende!Tatsache in uns an regt. In der sogenannten Stefanscapelle der jetzt völlig restaurirten Matthiaskirche in Ofen sind auch eine Reihe von jüdischen Grabsteinen gefunden worden, die am Schlüsse des achtzehnten Jahrhunderts oder noch später aus dem jüdischen Friedhofe der Türkenzeit Ofens dahin gebracht worden sein müssen. In der sog. Festung, auf dem Plateau des Bergrückens oder Burgfelsens von Ofen kann dieser Friedhof sich kaum befunden haben, da man in der Enge dieses Territoriums ihn schwerlich geduldet haben dürfte. Dass man aber die zum Theil sehr mächtigen Steine aus einer Entfernung, wie sie das Terrain zwischen der Tunnel- und Rohamgasse zeigt, nach der Baustelle an der Mattliiaskirche gebracht haben sollte, ist ebenso wenig wahrscheinlich. Es wird also, wie es