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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1895-11-01 · Heft 2 (November 1895) · p. Seite 88

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
40 (1895-1896)
Issue
Heft 2 (November 1895)
Article
Die jüdischen Friedhöfe Ofens
Date
1895-11-01
Page
Seite 88 (sequence 5)
Language
German
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88 Die jüdischen Friedhöfe Ofens. an sich natürlich ist, nachdem jener älteste Friedhof längst geschlossen war, einen neuen in der Türkenzeit gegeben haben, der durch seine Nähe zur Matthiaskirche eher eingeladen haben dürfte, seiner herrenlos gewordenen Steine vielleicht in der Zeit zwischen 1686 und 1713 zum Capellenbau sich zu bedienen. Die sechs Inschriften, die aus diesem späteren Friedhöfe uns jetzt bekannt werden, stammen wohl alle aus der Zeit, in der R. Ephraim Cohen dem Rabbinate von Öfen Glanz und Ruhm verlieh. Einer dieser Steine, Nr. 4 stammt aus den traurigen Tagen jener Pest, die den grossen Führer der Gemeinde selber Freitag am 3. Juni 1678 dahinraffte. Besonders bemerkenswerth ist unter den sonst armselig geringen Denkmälern der Grabstein (Nr.l) der in der Nacht auf Freitag f) den 28. Elul (= 20. Septbr.) 1672 verstorbenen Freudei, der Tochter des David ausAussee in Mähren und Gattin desrabbinisch gelehrten R. Lob aus Lichtenstadt oder Nikolsburg, je nachdem מל״ש, wie S. Kohn und J. Goldziher lesen‘1 2), oder מנ״ש hinter seinem Namen gefunden wird. Das künstlerisch geschmückte Denkmal erweckt mit den 3 Rosetten zu Häuptern und dem Porticnsrelief, innerhalb dessen die 12 Zeilen der Inschrift sich ausbreiten, eine Vorstellung von der Wohlhabenheit und dem Geschmacke des Mannes, der seiner Gattin diesen Grabstein setzen liess. Leider ist bei dem Bruche, den der Stein erlitten hat, der Schluss der siebenten und der grösste Th eil vom Anfang der achten Zeile zerstört worden, so dass zwei Zeilen und nicht, wie es nach der ersten Lesung durch Kolm und Goldziher scheint, nur eine Zeile, beschädigt sind. Um die Randschrift in dem Reiiefbande an der Spitze des Steines beginnen zu können, wurde die verzweifelte Auskunft getroffen, die erste Hälfte von oben nach unten, d. 11. von rechts nach links, und um auch die zweite Hälfte von oben nach unten laufen zu lassen, deren Worte verkehrt gegen die vorige, d. h. von links nach rechts einzumeisseln. 1111 Anfänge dieses Jahrhundert muss die Stätte dieses späteren Ofener jüdischen Friedhofes Einzelnen noch bekannt gewesen sein. Herr Rabbinatspräses S. L. Brill in Budapest hat es aus dem Munde seines 1853 verstorbenen Vaters, dass er noch einen alten Mann gekannt habe, der an jedem Rüst־• tag des Versöhnungsfestes von Pest nach Ofen hinüberging, um am Grabe R. Ephraim Cohen’s, dessen Stelle er noch mit 1) Lies: Dienstag (in der Inschrift ג׳ statt ף), was mit dem Palender für das Jahr tibereinstimmt. Der 28. Elul kann nie ein Freitag sein. 2) Magyar-Zsido Szemle IV (1887), 377.

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