Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 40 (1895-1896)
- Issue
- Heft 2 (November 1895)
- Article
- Jehuda Hadassi's Hermeneutik und Grammatik
- Date
- 1895-11-01
- Page
- Seite 74 (sequence 7)
- Language
- German
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74 Jeliuda Hadassi’s Hermeneutik und Grammatik. den Kopf stellte und deren Meister tbn Gabirol, Juda Hallevi, Moses Ibn Esra zu Plagiatoren eines obscuren karäischen Poeten stempelte, bis man den richtigen Sachverhalt fand und Moses Dar i als stillschweigenden Entlehner und Nachahmer der grossen rabbanitischen Dichter erkannte 1). Das Merkwürdigste an der Stelle, welche Ibn Esra?s grammatischem Lehrbuche im Esckkol Hakkofer zugewiesen ist, das ist die aus derselben folgende Thatsache, dass ein um 1140 in Pom verfasstes Werk schon acht Jahre später in Konstantinopel in den Händen eines karäischen Autors ist. Wir greifen hier einen Beweis der von Ibn Esra ausgehenden Wirkung buchstäblich mit Händen, und zwar einer Wirkung, die sich nicht auf seine unmittelbare Umgebung beschränkte, sondern in seiner ersten grammatisehen Schrift binnen wenig Jahren von Italien aus in die Hauptstadt des byzantinischen Kelches getragen wurde. Das Lehrbuch Ibn Esra’s muss auf Jeliuda Hadassi einen ungewohn liehen Eindruck gemacht haben, da er sich entschloss, die ihm zu Gebote stehenden sonstigen grammatischen Autoritäten bei Seite zu lassen und für seine ״sechzig Regel11{t sich einfach jenes Lehrbuch, unmittelbar nachdem er es kennen gelernt hatte, anzueignen. Yielleicht aber kam er auch auf die Idee, gerade ,,sechzig Regeln“ aufzustellen, erst durch Ibn Esra, der im Mösnajim den Stoff der hebräischen Grammatik unter sechzig {genauer 59) Schlagwörtem behandelt. Der Belegvers aus dem Hohenliede von den ״sechzig Königinnen“ stellte sich dann nachträglich ein, und ihm entnahm Hadassi weiter die Zahl achtzig für die nichtgrammatischen Interpretationsregein. Ton dem Eindrücke der kleinen Schrift Ibn Esra’s auf Hadassi zeugt vielleicht auch der zweite Name, mit dem er sein Eschkol Hakkofer benannte: ספר הפלס, das Buch der Wage2). IW HadassPs achtzig Regeln zur Schrifterklänmg. Wenn bei den 60 Pegeln Hadassi’s Zahl, Auf einanderfolge und Inhalt sich aus der im vorigen Abschnitte nachgewiesenen Quelle erklärten, so können war hinsichtlich der achtzig Pegeln nur die Zahl derselben aus dem Arerse des ג) S. Neubauer, Aus der Petersburger Bibliothek (1886), S. 21 ff. Es ist unbegreiflich, dass noch Ende 1894 von dem ,,um 940 metrisch dichtenden Karaffen Moses Dar'i“ gesprochen wird (s. Z. d. I). kl. G. XLVIII, 705. 2) S. N. 24 A nf. וקראתי שמי אשכל הכפר ולכדו טפ״* הפלס ומאזני משפם*