Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 39 (1894-1895)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Chajjim b. Mose Katzenellenbogen und die zweite Judenschlacht von Lublin
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 555 (sequence 2)
- Language
- German
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Chajjim b. Mose Katzenellenbogen. 555 lang Blut und Leben verströmen Hessen. Der Unglückliche ־war nur Einer von Vielen, die in dieser im Laufe von sieben Jahren zweimal so furchtbar heimgesuchten Gemeinde die grauenhafteste aller Todesarten erdulden mussten. Das war die zweite, die ״neue“ Judenschlacht von Lublin. Unter den Opfern, welche die Kosaken sich ersehen hatten, lernen wir jetzt auch Chajjim b. Mose1) Katzenellenbogen kennen. Er hatte als Arzt, wie es auch sein Vater gewesen, eine angesehene Stellung in der Gemeinde sich errungen, die der seltenen. Vereinigung von rabbinischer Gelehrsamkeit, weltlichem Wissen und unabhängigem Wohlstand gern Aemter und Ehren verlieh. Was zu plündern war, das hatte die Gier der Raubgesellen bereits verschlungen. Jetzt galt es nur noch das Leben des aller einst reichen Habe bereits ganz entblössten Mannes. Da nahte in der Gestalt des Gutsherrn von ZamoSc, das acht Meilen von Lublin entfernt liegt, der Beiter. Sechs Stunden hatten die Würger ihrem Opfer Zeit gegeben, die Auslösungssumme, die sie durch sein weithin geehrtes Haupt noch auszupressen gedachten, zur Stelle zu schaffen. Wenn die bangen Stunden dahingegangen waren, ohne dass das Geld in ihren Händen war, dann sollte dem Arzte und seiner Familie der Tod duich das Schlachtmesser zu Theil werden, dort, wo sie einen grossen Th eil der Gemeinde bereits hingeschlachtet hatten, in der öffentlichen Schlachtbank der Stadt. So hatte der Erlöser aus Zamosc Katzenellenbogen und die Seinen aus dem Rachen des Todes herausgeholt. Chajjim b.Mose, seine greise Mutter, drei Brüder, drei Schwestern und noch andere Verwandte, wurden ausgelöst und nach Zamosc in Sicherheit gebracht, wo sicherlich der bekannte Arzt aus Lublin kein Fremder war. Zwanzigtausend . . . . hatte die Loskaufssumme betragen, für die jetzt der völlig verarmte Mann aufkommen sollte. Kaum war der furchtbare Winter in Todesnöthen dahingegangen, denn auch vor den Mauern von Zamosc lauerten gierigen Wölfen gleich Kosaken und Moskowiter, als Chajjim b. Mose sich aufmachte, die Mildthätigkeit seiner Glaubensgenossen anzurufen und flüchtigen Busses fremde Länder aufzusuchen, die von solchem Jammer verschont waren und bereit sein würden, verfolgten Brüdern hilfreich beizustehen. In Lemberg liess er die Wahrheit der Angaben, die das Herz 1) Ygl. die Stammtafel in L. Löwenstein’s Geschichte der Juden in der Kurpfalz.