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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1895-01-01 · Heft 11 · p. Seite 524

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
39 (1894-1895)
Issue
Heft 11
Article
[Rezension]
Date
1895-01-01
Page
Seite 524 (sequence 3)
Language
German
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524 Besprechungen. Stadtthores von Samaria, und alle Propheten wahrsagten vor ihnen,“ den Michajahu zu seiner kurzen, doch um so grossartigeren und tiefer wirkenden prophetischen Ausschau veranlassten, ist eine glänzende. Müller erkennt bei Ezechiel eine besondere Vorliebe für Technik, ferner die Gewohnheit, einen einmal gefassten Gedanken nicht so bald fahren zu lassen. Drei Hauptphasen der Vision müssen unterschieden werden. Die erste (Cap. 1—3) bildet clie lntroduction in die Prophetie, die zweite (Cap. 8—11) schildert den Abzug־ der Herrlichkeit Gottes aus dem Heiligthum gelegentlich der Zerstörung der Stadt, die letzte (Cap. 12, 1—2 und 43, 1—6) verkündet die Rückkehr der Herrlichkeit Gottes und die Besitznahme des neuerbauten Tempels. Nun wird die Vision vom Thronwagen einer eingehenden Prüfung unterworfen, welche mit Entdeckung von These 2 und 3 endet. Besonders wichtig ist der Nachweis von der Nothwendigkeit der nochmaligen, ausführlichen Beschreibung des Thronwagens im 10. Cap. Dieser Nachweis ist überraschend und hat These 4 zum Resultate. Die augenfälligste Aenderung in der Wiederholung ist die Weglassung des Stieres und die Ersetzung desselben durch den Kerub, ferner die Ersetzung der Lebewesen (חיות) durch die Kerubim. Daraus, sowie auch aus 10, 14, wo ebenfalls Stier in Kerub geändert ist, ergiebt sich, dass hier Ezechiel mit wohlbedachter Absicht corrigirt und interpretirt hat; es ist deshalb unrichtig, wenn Cornill, der dem Septuaginta-Texte überall den Vorrang giebt, auch hier den letzterwähnten Vers für unecht hält, weil ihn die LXX nicht haben. Im Gegentheile; der massoretiscbe Text ist der ursprüngliche — wie dies Müller mit unerschütterlicher Gewissheit hier und auch anderwärts nachweist. Eerner wird, gegen die Kritik, gezeigt, dass im Cap. 9, 3 und 10, 4 nicht die Kerubim des Thronwagens, sondern wie die rabbinische und patristischo Auffassung ist, die Kerubim im Allerheiligsten gemeint sein müssen. Im zweiten Abschnitte ,,Die Sendung“ entdeckt Müller die stereotype Formel, welche bei der Sendung der Propheten gebrauchlieh war, durch Vergleichung von Ezechiel: 2, 3. 4; 3, 4. 11 mit Jes. 6, 8; Jerem. 1, 7 und findet den Ursprung dieser Formel in Exod. 3, 10, wo an Moses die Worte gerichtet werden: לכה ואשלחך; diese Sendung Mosis ist das Urbild für Judic. 6, 14. Müller stellt nun die Stücke Exod. Cap. 3 (7—12) Cap. 4 (2. 6. 7. 8) und Jud. Cap. 6 (7—18. 21. 37. 39) im Urtexte nebeneinander, und der Leser sieht mit wachsender Ueberraschung die in’s Auge springende Uebereinstimmung, welche, merkwürdig genug, vor Müller Niemand entdeckt hat. Mit dieser Entdeckung wird aber auch das, was Budde in seinem Werke ״Die Bücher Richter und Samuel,“ das die Quellen mit grossem Scharfsinn sichtet und mit zu weitgehender Kritik Stücke, Capital und Verse trennt oder verbindet, wird ferner das, was Wellhausen und Stade über das angeführte Stück aus Jud. sagen, sehr schwankend, wenn nicht belanglos. Der Abschnitt ״Entwürfe und Ausführung“ liefert den Beweis, dass in Ezechiel ״drei Stücke Vorkommen, welche zu einander in! Verhältnis von Entwurf und Ausführung zu stehen scheinen — :—“ ״Es ist eine Eigenart des Propheten Ezechiel“, sagt Müller ״dass die ganze Gewalt der Erkenntniss und Erleuchtung nicht auf einmal über ihn kommt, sie ringt und kämpft sich langsam und schwer hin־ durch. Erst tritt ein dunkler unklarer Ansatz, dann bricht ein Keim hervor, entwickelt sich und nimmt Gestalt und Form an ....

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