Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 39 (1894-1895)
- Issue
- Heft 11
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 525 (sequence 4)
- Language
- German
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Besprechungen. 525 Ein solcher Gedanke bildet auch die Wurzel der drei prophetischen Gebilde, welche sich durch das ganze Buch verzweigen‘‘. Müller stellt den Text des 18. Cap. in drei Gruppen nebeneinander, nämlich 5—10, 10—18, 14—17; da zeigt es sich nun, dass hier eine immer präciser werdende Ausarbeitung desselben Gedankens vorliegt. Eine weitere Nebeneinanderstellung von Cap. 33 (1—20) 3 (16—12) und 18 (23. 30b. 31. 32. 20. 24. 21. 22. 25. 26—30) beweist, dass in 33 eine schriftstellerische Um- und Ausarbeitung der Stücke in 3 und 18 zu sehen ist. In den drei Generationen des Cap. 18 vermuthet Müller höchst geistreich Chiskija, Manasse und Joschijahu. Das ,,Prophetische Schema“, welches Müller aus den Capp. 6, 36, 35, 32 für Ezechiel herausschält, und mit welchem dann Joel 4, Arnos 9 und Jes. 40 verglichen werden, wird wohl auch für andere Propheten Geltung haben. Anklänge an dasselbe finden sich auch in Michah (6 und 7) und in Nahum (1). Das von Müller entdeckte Schema ist auch, wie glänzend bewiesen wird, für die Textkritik von grosser Bedeutung. Wieder fällt hier die Prüfung zu Gunsten der alten TJeberlieferung aus. Das Schema ist: 1. Befehl an den Propheten, das Orakel zu verkünden. 2. Anrede an die Berge. 3. Verkündung von Krieg und Todtschlag auf den Bergen und Hügeln, Schluchten und Thälern, Zerstörung und Verwüstung der Städte. 4. Erkenntniss der Macht Gottes durch die erfahrene Züchtigung. 5. Erkenntniss Gottes unter den Völkern. Diese Grundformel erfährt nach Bedürfnis, Zeit und Umständen erforderliche Veränderungen. Der letzte Abschnitt hat zum Gegenstände ״Keilinschriftliche Paralleien“. Wenn auch die Uebereinstimmung gewisser Phrasen mit assyrischen!Redewendungen, wie sie in Keilschriftdenkmälern wiederkehren, vielleicht auf gern ein semitischen Charakter zurückgeführt werden könnte, so berechtigt doch die Thatsache, dass Ezechiel in Babylonien die keilin schriftlichen Denkmäler kennen gelernt haben kann, zu der Annahme, dass der Stil dieses Propheten durch diese merkwürdige assyrisch-babylonische Litteratur — und dieselbe ist ja, wie wir heute wissen, sehr gross — nicht unbeeinflusst geblieben sein wird. So kommt Müller zu der Ueberzeugung, ״die Phrasen von den Leichen auf den Bergen und Hügeln und dem Blute in den Schluchten und Thälern stehen unter keilinschriftlichem Einflüsse.“ Wer die keilinschriftliehe Litteratur kennt — ein grosser Theil der historischen Litteratur ist ja jetzt auch dem Laien auf diesem Gebiete durch Schräder’s treffliehe, ״keilinschriftliche Bibliothek“ zugänglich — der wird sich längst überzeugt haben, dass die alttestamentliche Litteratur und auch ein Theil nachbiblischer Schriftwerke in manchen Stücken grosse Aehnlichkeiten mit assyrischen Literaturdenkmälern aufweist. Müller selbst hat solche Parallelen nachgewiesen, uud auch ich habe auf einige Aehnlichkeiten hingedeutet1). Die von Müller gebrachten Redewendungen sind geradezu frappirend. Besonders merkwürdig ist die Zusammen- Stellung von Assurhanip., Annal. III, 118 ff. mit Jerem. Cap. 27; ferner Assurbanip., Annal., IX mit Ezechiel 17 (11—21) und Deuter. 29, 24. Aus dieser gedrängten Inhalts-Darstellung des Werkes ist zu ersehen, dass die Ezechiel-Studien D. H. Müller’s selbst hochgespannten 1) vgl. meine ״Babylonische und hebräische Litteratur'1 und ״Studien zum baby- Ionischen Rechtswesen‘‘ in Zeitschr. für Assyriol. 1890 S. 23 ff.