Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 39 (1894-1895)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Der Ursprung der Gemeinde Kremsier
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 519 (sequence 7)
- Language
- German
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Der Ursprung der Gemeinde Kremsier. 519 steinerne Lettern, sondern auch Werke, aus denen noch heute frisches Leben quillt, Denkmäler, welche die geistige Thätigkeit der Altvordern verewigen, bezeugen es, dass schon im Beginne des 15. Jahrhunderts in der hiesigen Gemeinde die Gelehr•־ samkeit blühte. Jedem Talmndkundigen sind die Glossen und Zusätze zu Asch eri bekannt, die zwar eine vergleichsweise geringe Selbstständigkeit im Forschen, jedenfalls aber eine imgewöhnliche Belesenheit im talmudischen Schriftthum bekunden. Der Yerfasser derselben ist nach der begründeten Ansicht Asulai’s kein anderer als der berühmte Schüler E. Möscheis aus Znaim, E. Israel von Kremsier 1), welcher vom Kaiser Euprecht, ,,weil er ein bewährter und alter Meister in jüdischer Wissenschaft war und in der Judenheit einen guten Leumund hatte, dass er Keinem etwas zu Unrecht gethan“, am 3. Mai 1407 zum Hochmeister über alle Rabbiner, Juden und Jüdinnen des deutschen Eeiches ernannt wurde, und der in .Nürnberg gemeinschaftlich mit E. Koppelmann das Eabbinat versah. (Terum. ha־Desch. N. 151; vgl. Grätz, VIII, S. 104.) Es darf uns nicht sonderlich befremden, dass in damaliger Zeit, vr0 man die Mittel zur Verkürzung der Entfernungen noch nicht x) שם הגדולים s. v. הגהות אשרי mit Bezugnahme auf Isserlein’s Supereommentar zu Kaschi ויחי, p. 8: כתב מחרא״י ם׳ ויחי דחברם מר זקנו מה׳ ישראל מקרמזיר וכ״ב מ׳ו׳רים בם׳ יוחסין. Ebenso Michael, 505 .8 ,אור החיים, 506 הרב מוה׳ ישראל מקרמזיר חבר ההגהות באשרי ובנו היה הר׳ חיים המכונה הענשיל אבי אביו של הרב מ׳ ישראל איסרל מנוישטט בן הר״ר פתחיה מקרימשא וככר מ״וה ישראל מקרעמזיר• Hingegen lesen Benjacob אוצר הספרים, S. 180, Steinschneider Cat. Bodl. p. 581; Zunz, zur Geschichte S. 106, Berliner in den Mtschr. 1869, S. 133 und Grätz a. a. 0. S. 497 in den Nachtiägen seine früheren Angaben verbessernd und ed. B. S. 104 ,,Krems“ statt ״Kremsiei“, vgl. ׳ דברים עתיקיםD, S. 10. Doch ist meines Erachtens für diese Aenderung ein triftiger Grund nicht vorhanden. Die Alten haben Kremse von Xremsier wohl unterschieden. Die locale Nähe von Krems und Neustadt, dem Sitze Isserlein’s, kann als Kriterium für die Lesart ,,Krems1* nicht geltend gemacht werden, da man umgekehrt gerade die Entfernung zwischen Krems und Znaim, wo R. Israel das Lehrhaus R. Möscheis besuchte, zu Gunsten der Lesart ״Kremsier“ in die Wagschale legen könnte. Auch die Folgerung, dass, weil der Enkel R. Pet-achja, aus Krems gewesen sei, nun auch dessen Grossvater R. Israel an demselben Ort gewesen sein oder gewohnt haben müsse, ist nicht berechtigt. Uebrigens steht es fest, dass die Juden in der Mitte de8 14. Jahrhunderts wegen des schwarzen Todes aus Krems vertrieben worden sind und die dortige Gemeinde sich damals gänzlich aufgelöst hat. Leider bieten die Glossen Ascheris selber keinen Anhaltspunkt dar. um dessen Geburtsort ausfindig zn machen. Bemerkt sei noch, dass der Name Israel am hiesigen Orte bis auf den heutigen Tag in Genealogieen auffallend häufig wieder kehrt (vergl. Zunz, Namen der Juden, S. 241.)