Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 39 (1894-1895)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Der Ursprung der Gemeinde Kremsier
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 518 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829668-2829680-2879381--26615-2879428- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
518 Der Ursprung der Gemeinde Kremsier. Ist diese Ueberlieferung* begründet, so kann das rituelle Bad sich an diesem Orte nur zwischen dem 15. und 16. Jahrhundert befunden haben, als unweit davon die Juden ihre Quartiere und Synagoge hatten, zumal wir aus gelegentlichen Angaben Krochmals (EGA. Zemach Zedek, Nr. 66) entnehmen können, dass zu Beginne des 17. Jahrhunderts das Gemeindebad sich im Hofe des Rabbiner- oder Gemeindehauses befunden hat. Auch im Besitze eines Beerdigungsplatzes scheint die Gemeinde im Beginn des 15. Jahrhundeits gewesen zu sein. Wie nämlich aus den Privilegien des Cardinais Franz von Dietrichstein, d. d. 16. Februar 1606, ersichtlich ist, wurden ״die vor dem mährischen Thor an den kleinen Häusern im Oscol liegenden Gärtchen, welche die Juden schon vor verwichenen Zeiten käuflich an sich gebracht“ als Begräbnisstätte benutzt. Im genannten Jahre wurden diese zu einem Friedhofe vereint. In der That hat man an jener Stelle im Jahre 1882 Grabsteine aus dem 16. Jahrhundert (1535) gefunden* 1). Und aus dem Charakter der eingemeisselten Buchstaben auf anderen ganz verwischten und verwitterten Leichensteinen hat man scliliessen wollen, dass noch viel ältere vorhanden gewesen seien. Konnte doch schon der Verfasser des bis ini Jahr 1482 zurückreichenden Sterberegisters viele das Todesdatum anzeigende Buchstaben auf den Grabsteinen nicht mehr entziffern und hat darum zu den Hamen mancher von ihm angeführter Verstorbenen bemerkt, dass ihr Todestag unbekannt sei. Es sind demnach schon zur Zeit, als dieses Register angelegt wurde, die Inschriften der Grabsteine verwischt und unleserlich gewesen. Aber nicht bloss Todtenbücher und a. a. 0. S. 9 deuten diese Messer vielmehr auf den einst hier gepflegten Weinbau hin. Alte Hebraisten nannten die Stadt auch כרם זעיר״“, d. h. kleiner Weinberg.) In Wirklichkeit befinden sich nach• Prof. Sehek (״In- Schriften Seite 19), in allen Dietrichstein’schen Wappen solche Winzermesser. Möchten sie doch ein Wahrzeichen sein für das verheissene friedliche Nebeneinanderleben aller Nationen in dem von den Propheten (Micha 4, 2 Jes. 2, 4) entworfenen idealen Zukunftsbilde. 1) Mein Amtsvorgänger, Eabb. Pollak in Budapest, wilL in der Nähe der Tafel, auf welcher das Zidduk ha-Din geschrieben ist, auf dem alten Friedhofe einen Grabstein aus dem Jahre ,1285=מ״ד (vielleicht fehlte ת vor ,מ״ד) gesehen haben. Im vorigen Jahre wurden mit Bewilligung des Bürgermeisters und Vorstehers die Steine aus dem Giäberfelde, einem Flächenraume von 7200 Klaftern, wo sie seinerzeit versenkt wurden, herausgehoben. Die ältesten Epitaphien gedenke ich sammt den Actenstücken, betreffend den langen Pxocess über den Friedhof, besonders za behandeln.