Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 39 (1894-1895)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Der Ursprung der Gemeinde Kremsier
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 516 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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516 Der Ursprung der Gemeinde Kremsier. Für die Wahrscheinlichkeit dieser Behauptung spricht nicht nur der Wortlaut des Privilegs ״ununi Judaenm et a Judeorum cet.u, sondern auch die im Verlaufe der Abhandlung nachgewiesene Thatsache, dass in verhältnissmässig kurzer Zeit nach der ersten auf Grund des Privilegiums gestatteten An־־ Siedlung eines Hofjuden hier schon eine Gemeinde bestand. Allgemein gilt die Vorstadt (Oskol) als der erste den Juden angewiesene Wohnplatz. Wegen Streitigkeiten mit den christlichen Nachbarn über־* siedelten sie später in die Wasser- oder Marchgasse. Der Zeitpunkt, wann sie dieses Quartier bezogen haben, lässt sich nicht genau bestimmen. Hur eine Urkunde im Deukbuche der Stadt Kremsier, Seite 89, besagt, dass am 24. April 1704 des Scharfrichters Wohnung, ״welches Haus bis vorzeiten jüdisch gewesen, nach dem Inhalte der alten Register im Jahre 1546 für des Scharfrichters Wohnung erkauft worden, weil selbes Haus aber vor Alter baufällig geworden, allemal die Reparatio viel gekostet, man nichts bevor gehabt als die Unkost,“ um 300 fl. verkauft wurde. Und da nach der näheren Ortsbezeichnung der Wohnung des Scharfrichters ״hinter den jüdischen Häusern, an der Stadtmauer gelegen und wie das sonst jetzt in freien Marken sich befindet und verplankt ist und das weitter in das Jüdische mit allen eingerückt ist“ diese dort war, wo heute das Haus Nr. 84 in der Wassergasse steht, so muss hier schon vor 1546 jüdisches Territorium gewesen sein. In dieser Gasse fand man auch beim Umbau des Hauses Nr. 165 drei kleine Goldstangen, die von Tempelgefässen herrühren sollen. Aber auch iu dem gegenüberliegenden Hause Nr. 58 sahen ältere Zeitgenossen an den Wänden hebräisch geschriebene Gebete, die darauf schliessen lassen, dass an dieser Stätte einst eine Synagoge gestanden hat1). Wann und wie lange jede von diesen benützt wurde, lässt sich nicht genau angeben. Als sicher jedoch ist anzunehmen, dass beide nicht gleichzeitig benutzt worden sind, weil man dadurch die Aufmerksamkeit der Herrschaft auf die Vermehrung der Juden gelenkt hätte, was man strenge vermeiden wollte2). 1) Im hinteren Theile des Gewölbes Nr. 53 in dieser Gasse fand ich folgende Inschrift: אכביד־־שדי־־אלה חי־־ד״עולם. Der fehlerhafte Text und die fremdartige Form der Schriftzeichen verratlien ihren nicht-jüdischen Ursprung. Nach Prof. Kaufmann wollte ־vielleicht ein ״mährischer Bruder‘4 hier im verborgensten Theile des Hauses sein monotheistisches Glaubensbekenntniss niederlegen. 2) Ygl. Krochmal, Resp. Zemach Zedek, Nr. 49.