Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 39 (1894-1895)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Der Ursprung der Gemeinde Kremsier
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 515 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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Der Ursprung der Gemeinde Kremsier. 515 Dieses älteste, auf die Geschichte der Kremsierer Gemeinde sich beziehende Document hat folgenden Wortlaut: Privilegium Joannis Boemie et Polonie regis super Judeos. Nos Joannes, Dei gratia Boemie et Polonie rex, ac Luxenburgensis Comes ad universorum notitiam presentibus volumas prevenire Quod Nos Venerabilis Conradi 011:1 mucensis Episcopi principis nostri dilecti merita et obsequia, quibus nostro celsitudini retroactis temporibus se exhibait, et multipliciter studuit complacere, diligentius attendentes, sibi et dicte ecclesie sue Olumucensi, ut in quattuor suis oppidis, videlicet Soittavia, Magelitz, Cremsir, et Wischav, in eorum quolibet unum Judaeum et a Judaeorum et aliorum impletionibus ac exactionibus et iudiciis quibuscumque liberum et solntum ad eundem episcopum et etiani Eccelesiam suam Olumucensem solummodo habentem respectum habere et teuere, valeat, gratiosius concedimus presentibus perpetuo valeturis, quas in premissorum testimonium Sigillo nostro maiestatis iussimus communire. Datum Pragae anno Domini millesimo trecentesimo vigesimo secundo, Y. Idus Augusti, regnorum vero nostrorum anno XII. (Olm. Domin Archiv, Cod. dipl. Morav YI. 159.) Sowohl der königliche Spender, als auch der geistliche Empfänger dieses Gnadenbriefes wussten den Besitz der sparsamen, thätigen und geschäftskundigen Juden besser zu würdigen als das bethörte Volk, welches sie gerade damals an allen Orten von sich stiess. Auf diesem düsteren Hintergründe finsterer Yorurtheile aber tritt die glanzvolle Erscheinung eines einen Juden beschützenden Kirchenfürsten um so heller hervor. Sein leuchtendes Vorbild mag vielen seiner Nachfolger vorgeschwebt haben, gleichwie Karl IV., der auf dem Reichstage zu Nürnberg (1355) dem Bischöfe zu Augsburg und Mainz das Recht, Juden zu halten, einräumte, hierin das Beispiel seines erlauchten Vaters, des König Johann, nachgeahmt hat. Gewiss säumte Bischof Conrad nicht, von der ihm zu Theil gewordenen Gunstbezeugung Gebrauch zu machen. Ausser diesen!, nach seinen! Belieben gewählten Juden werden bald noch andere Glaubensgenossen desselben im Kremsier früher oder später bleibenden Aufenthalt genommen haben. Nur standen diese als Kammerknechte unter der Gewalt des Landesfürsten, dem sie die üblichen Abgaben zu leisten hatten. 33*